Das Leben ist eine BaustelleEs gibt diese Tage … Ihr kennt das sicher auch. Da geht von vorne bis hinten alles schief: Baby krank, Wasser weg, Elektrik im Eimer. Ein Leben wie eine Baustelle eben: laut, hektisch, kleinteilig, oft unvorhersehbar. Und manchmal wird auch gebrüllt. Gestern war mal wieder so ein Baustellen-Tag. Und das meine ich nicht nur im übertragenen Sinne. Aber lest selbst. Protokoll von 24 Stunden, die ich mir irgendwie anders vorgestellt hatte.

07.00 Uhr: Schwere Motoren, laute Maschinen, gerufene Anweisungen. Die Baustelle ist wieder da! Eine Baustelle vor unserer Haustüre. Eine Baustelle, die uns schon im vergangenen Jahr Straßensperrungen, Umleitungen, Wasserstops, Lärm und Staub beschert hat. Jetzt geht’s also wieder los.

07.05 Uhr: Die Baufirma errichtet einen Slalomparcours: Leitungsrohe, Bagger, Lastwagen. Fahre durch, wer kann!

07.30 Uhr: Der Elektriker klingelt. Eine von zwei (sauteuren) Badezimmerleuchten direkt neben dem Spiegelschrank ist kaputt. Der Vorteil: Man erkennt weniger Augenschatten und Fältchen beim Schminken. Der Nachteil: siehe „Vorteil“.

07.45 Uhr: Einmal Badschrank ausräumen, abhängen, Trafo prüfen, Leuchtmittel checken, Leitung messen. Das Ergebnis: Kein Ergebnis! „Ich kann keinen Fehler finden. Aber beim Zusammenbauen ging die Lampe von selbst wieder an. In Zukunft besser nur kurz anschalten.“ Aha. Ein Badlicht als Deko also?

08.00-12.00 Uhr: Einkaufen. Kochen. Putzen. Saugen. Wäsche waschen. Wäsche falten … Wir waren zwei Wochen bei den Großeltern zu Gast. Da gibt’s zu Hause einiges aufzuholen.

Gefährlicher Bagger, verlockender Bäcker

16.00 Uhr: Der Bagger dröhnt. Und die Krümellady hat panische Angst, an ihm vorbeizugehen. Also mit Kinderwagen, Geschwisterboard, Wickeltasche und sich ängstlich an meinen Arm krallender Krümellady den Berg hinunter. Immerhin wartet der Spielplatz am See auf uns.

16.20 Uhr: Die Krümellady kann dem Abstecher zum Bäcker nichts abgewinnen. Jammern. Dann Kampf um Kleinkram: Nein, wir brauchen keine weißen Haribo-Mäuse. Und auch keine Brauselutscher. Und das Trinkpäckchen auch nicht. Erst eine Brezel auf die Hand schafft Frieden.

17.40 Uhr: Abschied vom Spielplatz. Sage ich. Denn das Baby schreit. Und will nicht trinken. Und schnieft. Und rotzt. Mitten im Aufbruch kommt eine kleine Freundin der Krümellady. Mit einem Eis. Und ihrem Papa. Und fährt Karussell. Keine Wunder, dass meine Kleine auch mitmachen möchte. Am Ende gehe ich mit schreiendem Baby und motzender Lady vom Platz.

19.00 Uhr: Geschafft. Abendessen beendet. Nur einer hat weiterhin keinen Appetit: der Krümellord. Telefonat mit der besten Hebamme der Welt, meiner Schwägerin. „Vielleicht mal mit einem Fläschchen probieren? Ist mit verstopfter Nase leichter zu trinken.“ Aber der Krümellord mag kein Fläschchen. Mag gar nichts mehr. Fühlt sich warm an. Das Fieberthermometer sagt: 38,4 Grad. Bei der Lady wäre das kein Problem. Aber bei einem drei Monate alten Baby?

Anruf beim Kinderarzt

19.30 Uhr: Das Baby schreit. Ist nicht zu beruhigen. Die große Schwester stimmt mit ein: „Das ist zu laut! Ich habe Angst.“

20.00 Uhr: Anruf beim kinderärztlichen Notfalltelefon: „Was kann ich tun?“ Die Dame in der Leitung rät mir dringend, den Lord anschauen zu lassen: „Er ist zu klein, um hoch zu fiebern. Und sie wissen nicht, wie sich das nachts entwickelt.“

20.05 Uhr: Den Mann auf der Arbeit angerufen. Nicht erreicht. SMS geschickt: „Komm bitte nach Hause. Das Baby hat Fieber. Fahren ins Krankenhaus.“

20.10 Uhr: Die Nachbarin angerufen. Um zu fragen, ob sie die Krümellady übernehmen kann. Leitung ist dauerbesetzt.

20.15 Uhr: Kinder angezogen und raus aus dem Haus. Nachbarin überfallen: Die Krümellady darf bleiben, bis ihr Papa kommt. Mal wieder unsere Retterin in der Not! Unser Mädchen freut sich. Sie mag die Nachbarin. Und deren Hund.

20.50 Uhr: Die Rezeption im Krankenhaus ist nicht mehr besetzt. Also zur Anmeldung im ersten Stock.

21.10 Uhr: Die Kinderstation erreicht. Völlig aus der Puste, denn die Autoschale ist schwer. Die Krankenhausflure lang. Und meine Kondition nach der Geburt noch nicht wieder die beste.

Und jetzt auch noch Blut abnehmen …

21.20 Uhr: Die Ärztin kommt. Und horcht meinen Kleinen ab. Wir messen Fieber: 37,4 Grad. „Aber eben war es doch noch viel höher!“ „Das kann vorkommen“, beruhigt die Ärztin. „Wenn Babys schreien, steigt ihre Körpertemperatur an.“

21.30 Uhr: Bluttest. Zur Sicherheit. Die Ärztin bohrt dem Krümellord einen Kanüle in die kleine weiße Hand. Ein Pfleger hält das schreiende Bündelchen fest. Der Einstich blutet ein bisschen. Mein Mama-Herz auch.

21.50 Uhr: Die ersten Ergebnisse des Bluttests sind da. Alles deutet auf einen Virusinfekt hin. Keine bakterielle Ursache. Wir dürfen nach Hause gehen. Aber das Baby soll trinken bis zum nächsten Morgen. Sonst droht eine Infusion.

22.15 Uhr: Wieder zu Hause. Der Mann ist da. Gott-sei-Dank! Die Krümellady liegt im Bett, ist völlig fertig eingeschlafen.

22.30 Uhr: Wieder ein Fläschchen zubereitet. Wieder verweigert vom Krümellord.

23.00 Uhr: Die Krümellady wacht auf und weint. Schlecht geschlafen. Der Mann muss sie trösten.

00.00 Uhr: Endlich! Der Krümellord trinkt aus dem Fläschchen. Und schließt gleich wieder seine Augen.

00.30 Uhr: Liegen im Bett. Fix und fertig. Ich kann trotzdem nicht einschlafen.

00.45 Uhr: Die Krümellady weint erneut. Und kriecht zu uns ins Bett.

03.30 Uhr: Der Krümellord ist wach. Und trinkt durstig an der Brust. Gott-sei-Dank!

Neuer Tag, neue Überraschungen

06.30 Uhr: Wir stehen auf. Die am Tag zuvor reparierte Badlampe flackert.

07.00 Uhr: Die Badlampe erlischt. Und lässt sich nicht wieder anschalten.

08.00 Uhr: Ich möchte das Spülbecken in der Küche benutzen. Aus dem Hahn läuft nur ein dünnes Rinnsal.

08.02 Uhr: Ich rufe die Nachbarn an: „Habt ihr auch kein Wasser?“ „Ja klar, ist abgeschaltet, bis 11.00 Uhr. Die Baufirma hat doch gestern Zettel verteilt.“

08.05 Uhr: Ich öffne unseren Briefkasten und finde das Infoschreiben. Leider einen Tag zu spät.

10.00 Uhr: Der Krümellord und ich dösen erschöpft auf dem Sofa ein. „Das einzig Gute an dem ganzen Stress ist: Ich kann darüber schreiben“, denke ich noch.

Geht euch das auch manchmal so? Und was macht ihr mit den Baustellen-Tagen in eurem Leben?

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