Sysiphos lässt grüßen: Ordnung und KinderManchmal komme ich mir vor wie Sisyphos. Ja, genau! Der Typ aus der griechischen Mythologie. Der, der täglich einen Felsbrocken den Berg hinauf wälzt. Um diesen kurz vorm Gipfel zu verlieren und seine Arbeit von vorne zu beginnen. Und das tagein, tagaus! Nur, dass mein Felsbrocken die überall herumfliegenden Spielzeuge meiner Kinder sind. Mein (unerreichbarer!) Gipfel ein aufgeräumtes Haus.

Denn selbst wenn am Abend alle Schleichtiere in die Scheune eingekehrt sind, die Bücher halbwegs ordentlich im Regal stehen und der Rutschautofuhrpark stolperfrei weggeparkt ist – schon kurz nach dem Aufstehen der Krümellady sieht unser Wohnzimmer häufig aus als hätte die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen. Da liegen halbfertige Puzzles und angefangene Steckspiele auf dem Teppich, die Murmelbahn samt zahlreicher bunter Kugeln thront auf dem Filzhocker und Horden von Stikeez-Figürchen eines großen deutschen Lebensmitteldiscounters haben Aufstellung auf unserem Couchtisch genommen. Ach ja, und über den Parcours aus Sofakissen, Stillnudel und Yogamatte sollte man besser auch nicht stolpern. Aus dem eben noch gemütlich-aufgeräumten Wohnzimmer ist innerhalb von Sekunden ein wilder Spieledschungel geworden …

Jetzt gilt es, den Überblick zu behalten. Und einen kühlen Kopf. Denn augenrollendes Hinterherräumen nützt überhaupt nichts. Im Zweifel sind Kind – und ggf. anwesende Besucherkinder – schneller darin, neue Spielzeuge aus dem Regel zu zaubern, als man selbst beim wieder Verstauen. Das kann frusten – und ist so sinnvoll, wie der tägliche Gang von Sisyphos. Mit den folgenden Praxistipps versuche ich, den sprichwörtlichen Felsbrocken fest- und die tägliche Spielzeugexplosion unter Kontrolle zu halten. (Und ja, funktioniert natürlich wie alles im Leben mit Kindern manchmal besser, dann wieder schlechter …)

Weniger ist mehr

Ständiges Auf- und Hinterherräumen ist nicht nur extrem uneffektiv sondern auch ein echter Gute-Laune-Killer. Definiert ein bis zwei feste Zeiten am Tag, die ihr zum Aufräumen nutzt. Und bekämpft ansonsten den typischen Mama-Impuls, „nur mal eben schnell“ Ordnung zu schaffen. Die Krümellady und ich räumen meist am Ende des Tages gemeinsam auf. Und zwar nach dem Abendessen: Dann sind die Bäuche gefüllt und die Aussicht auf eine Lesestunde auf dem Sofa sorgt für zusätzliche Motivation bei meiner Kleinen.

Schöner Stauraum

Mal ehrlich, Kinderspielzeug ist vor allem eins: sehr, sehr kleinteilig. Ob es nun Duplosteine, Holzeisenbahnen oder eine Rasselbande Stofftiere sind. In der Regel lässt es sich prima und vor allem schnell in Kisten und Kästen verstauen. Ich liebe zum Beispiel die Spielzeugboxen aus Bast eines dänischen Einrichtungslabels. Ob Wohnwagen, Bauernhof oder Zwergenhütte: Die bunten Kisten machen einfach gute Laune und bieten viel Platz für Kleinteile. Wer, wie wir, Besitzer des Regal-Systems eines großen schwedischen Möbelhauses ist, findet unzählige Körbe und Boxen zum Befüllen – nicht nur beim Anbieter selbst sondern auch handgemacht und individuell über die entsprechenden Online-Shops. Ein Tipp aus der KiTa der Krümellady: Damit die Kids beim Einsortieren helfen können, einfach ein Foto des Boxinhalts an der Vorderseite befestigen. So wissen auch die Kleinsten, welches Spielzeug wohin gehört.

Eins nach dem anderen

Um der Unordnung Herr zu werden, versuche ich der Krümellady beizubringen, erst das benutzte Spielzeug wegzuräumen, bevor sie ein neues aus dem Regal zieht. Klappt je nach Spielsituation und Tagesform unterschiedlich gut. Aber wir arbeiten dran …

Regelmäßig aussortieren

Dreiteilige Babypuzzle, die der Krümellady nur noch ein müdes Gähnen entlocken, schlaffe Luftballons, die von der letzten Geburtstagsparty übrig geblieben sind, oder die kaputten Überreste einer Ü-Ei-Bastelarbeit. Wer seine Schubläden und Boxen regelmäßig sichtet und aussortiert, sammelt weniger unnützen Krimskrams an und schafft Platz für Neues. Also: Immer mal wieder nachsehen, welche Spielzeuge noch altersgemäß sind. Pfennigartikel wie Ü-Ei-Figuren oder die Sammeltierchen großer Lebensmittelketten nach Möglichkeit (und in einem unbeobachteten Moment) entsorgen oder in einer großen „Schatztruhe“ verschwinden lassen.

Für Abwechslung sorgen

Was immer verfügbar ist, wird irgendwann langweilig. Deshalb bietet es sich an, Spielzeuge regelmäßig auszutauschen. Das wunderschöne Spielhaus der Krümellady wird deshalb nur zu besonderen Anlässen – zum Beispiel ihrem Geburtstag – aufgestellt. Und auch die Holzeisenbahn macht nicht alle Tage Station bei uns. So behalten die Dinge ihren Reiz und können immer wieder neu entdeckt werden.

Die 80:20-Regel

Mit 20 Prozent des Aufwands erreicht man 80 Prozent des Gesamteffekts. Was in der Arbeitswelt gilt, stimmt auch im Privaten. Wer sich auf die sinnvollen und effektiven Tätigkeiten konzentriert, kann schon mit geringem Aufwand große Wirkung erzielen. Motto: Es genügt, wenn die Bücher im Regel stehen, sie müssen nicht noch nach Farbe/Größe/Altersklasse sortiert werden. Ein gutes Beispiel gibt auch die Krümellady selbst: Ermahnt man sie, die überall herumliegenden Kleinteile aus ihrer Kinderküche aufzuräumen, so nimmt sie zumeist das Spülbecken aus der Anrichte und kippt Holzgemüse und Co. von oben in den Schrank hinein. Spülbecken wieder einsetzen und schon sieht in Sekunden alles piccobello aufgeräumt aus! (Man darf nur nicht die Schranktür öffnen …)

Gelassen bleiben

Und wenn mal wieder gar nichts hilft, die Spielzeughäufchen scheinbar im Minutentakt anwachsen? Tief durchatmen, locker bleiben und das Mantra aller gestressten Eltern ins Gedächtnis rufen: Alles nur eine Phase!

Und wie macht ihr das mit dem Ordnung halten? Tipps und Tricks willkommen!

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