See mit Bergen und SonneIch liebe das Landleben. Dabei war ich immer ein überzeugtes Stadtkind. Befahrene Straßen, dichtbevölkerte Einkaufsmeilen, lange U-Bahn-Schluchten, die unstet blinkenden Lichter einer großstädtischen Partymeile: Alles Bilder, die ich als junge Erwachsene mit Freiheit, Unabhängigkeit, einer Vielzahl an Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten assoziierte. Selbst die weniger schönen Ecken eines großstädtischen Hauptbahnhofs lösten bei mir beinah romantische Gefühle aus, der Eindruck am Puls der Zeit zu sein, ganz nah am echten Leben. Als ich für meinen Mann von Düsseldorf gen Süden ging, war sofort klar: Ich ziehe nach München.

Englischer Garten, Glockenbachviertel, Schwabinger Kneipenmeile, Pinakotheken, Galerien, Cafés: Ich komme! Und so packte auch mein Mann seine sieben Sachen, verließ das malerische 6.000-Einwohner-Örtchen, in dem wir heute wieder leben, und zog mit mir in eine schnuckelige City-Wohnung. Drei Minuten bis zur Joggingstrecke am Kanal. 15 Minuten mit der Straßenbahn in die City. Und der Stadtteilmittelpunkt mit diversen Cafés und Lädchen direkt vor der Haustüre.

Was alles veränderte …

Und dann kam die Krümellady. Und der Platz in unserer süßen kleinen Mietwohnung wurde plötzlich eng. Der Trip in die City mit Kinderwagen zum Slalomlauf. Denn der Weg zum nächsten Aufzug an die Oberfläche führte garantiert immer durch U-Bahn-Unterführungen, die man noch nie zuvor betreten hatte. Und das aus gutem Grund. Die Stimmen in unserem Bekanntenkreis, die sich lauthals über überteuerte KiTa-Plätze und hohe Lebenshaltungskosten für Familien beklagten, mehrten sich. Und Museums- oder Theaterbesuche waren mit Baby ohnehin erst einmal gestrichen.

Plötzlich erschien der Umzug aufs Land gar nicht mehr so abwegig. Hoher Freizeitwert, viel Natur und ein kleines Häuschen, das wir mit einigen Renovierungsarbeiten familientauglich herrichteten. Im Dezember 2012 war es soweit: Wir zogen aufs Land. In besagtes 6.000-Einwohner-Örtchen, 60 Kilometer vor den Toren Münchens, malerisch an einem See gelegen. Ich wusste, was mich dort erwartete, schließlich hatten wir die meisten unserer Wochenenden schon dort draußen verbracht. Aber ein Wochenendhäuschen am See ist natürlich etwas anderes als der Familienwohnsitz auf dem Land.

Angekommen im Landleben.

Und dennoch: Heute fühle ich mich als Landmama sehr wohl. Was vermutlich auch daran liegt, dass ich von Anfang an jede Menge toller Menschen kennenlernte, die mir das Ankommen auf dem Land erleichterten. Dazu aber an anderer Stelle einmal mehr … Hier kommt meine – nicht in allen Punkten ganz ernst gemeinte – Hitliste des Landlebens. Ich freue mich über Ergänzungen, Anmerkungen, Widerspruch!

  1. Du findest immer einen Parkplatz. Und zwar (fast) genau vor der Türe. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn du mit MaxiCosi, Wickeltasche und einem Weekender voller Sportklamotten bepackt bist.
  2. „Sie sind Kassenpatient? Der nächste Termin ist in drei Monaten frei!“ Die Suche nach einem Kinderarzt für die in der Großstadt geborene Krümellady war zeit- und nervenaufreibend, zumal als Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse. Auf dem Land gibt es in Summe zwar weniger Ärzte, aber auch weniger Wartezeiten und weniger Zugangsbeschränkungen für Kassenpatienten.
  3. Mit dem Ultraschallfoto zur KiTa-Anmeldung? Mit seitenlangen „Motivationsschreiben“ um einen der begehrten Plätze buhlen? Ja, auch auf dem Land sind Betreuungsangebote für unter Dreijährige heißbegehrt. Aber es reicht, wenn du zu den üblichen Anmeldetagen zu gehen, sobald das Baby geboren ist. Und die Gebührenordnung zwingt dich auch nicht, den Großteil deines hartverdienten (Teilzeit-)Gehalts in die Kinderbetreuung zu investieren.
  4. Wenn sich an einem Sonntagabend im Sommer die Blechschlange zurück gen Großstadt wälzt, schwimmst du noch eine Extra-Runde im See. Und zur Skisaison stehst du noch vor allen Anderen am Sessellift und auf der Piste.
  5. Von deinem Stepper im Fitnessstudio aus kannst du direkt auf die Natur, den See und die dahinter liegenden Hügel blicken. Das Motto „Schöner schwitzen“ bekommt so seine wahre Bedeutung.
  6. Der nächste Bio-Bauernhof ist nur zehn Gehminuten entfernt. (Na ja, dreißig Gehminuten, wenn die Krümellady selbst läuft.) Bei der nachmitttäglichen Fütterung von Kühen, Pferden, Hühnern … sind große und kleine Zuschauer stets willkommen.
  7. Du gerätst nicht in Versuchung, sondern shoppst gezielt: Wir leiden nicht gerade an einem Überfluss an Kinderboutiquen, Einrichtungsläden oder Einkaufstempeln. Das schont dein Elterngeld/Haushaltsgeld/(Teilzeit-)Gehalt. Aber, Achtung: Den täglichen Dawanda-Newsletter, Limango-Shopping-Alerts und sonstige Online-Einkaufsverführungen bitte mit geschlossenen Augen löschen, damit Erspartes auch wirklich auf deinem Konto bleibt!
  8. Jeder kennt jeden über drei Ecken. Das Xing-Prinzip wurde auf dem Land erfunden. Kann schön sein, weil man beim Bäcker, auf dem Kinderspielplatz oder beim örtlichen Gemüsehändler immer jemanden trifft, den man kennt und – im Idealfall – mag. Kann aber auch anstrengend sein. Aus genau demselben Grund.
  9. Die Ameisen transportieren langsam aber stetig den Inhalt deines Sandkastens ab? Deine Nachbarn pflanzen schon Osterglocken, aber vor deiner Haustür liegen noch die Tannenzapfen vom Weihnachtsfest? Plötzlich hereinbrechende Minusgrade lassen deinen Gartenschlauch platzen? Solche Anfängerfehler passieren dir (meistens) nur einmal! Denn auf dem Land lernst du, im Einklang mit Jahreszeiten und Natur zu leben.
  10. Der Regionalzug nach München. Leistet erste Hilfe bei aktuer City-Sehnsucht. Und kutschiert dich stündlich staufrei – wenn auch nicht immer verspätungsfrei – in knapp 60 Minuten in die große Stadt.

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