Mein Landleben Jetzt mal ehrlich: Wie ist es denn nun wirklich, dieses Landleben? Meine Freunde in der Stadt sind besorgt: „Werden um 22.00 Uhr die Gehsteige hochgeklappt oder geht da noch was?“ (Jein.) „Hast du deine Kinder schon im Trachtenverein angemeldet?“ (Nein. Aber kann natürlich noch kommen …) „Und wie ticken die Menschen auf dem Land – wie der durchschnittliche Städter oder ganz anders?“ (Völlig unterschiedlich. So wie in der Stadt eben auch.) Soweit ein kleiner Auszug der am häufigsten gestellten Fragen an mich, die vermeintliche Expertin fürs Landleben. (Muss selber kurz darüber schmunzeln.) Mit einer neuen kleinen Serie möchte ich euch einen Einblick geben, wie es sich anfühlt, wenn du nicht mehr auf der Stadtautobahn sondern auf der Landstraße im Stau stehst, wenn dir beim Einkaufen die meisten Gesichter bekannt vorkommen und die Unbekannten Touristen sind, wenn der Bus etwa zweimal täglich durch den Ort fährt, morgens hin, abends zurück …

Zukünftig stelle ich hier auf dem Blog in unregelmäßiger Reihenfolge Persönlichkeiten vor, die (schon immer) auf dem Land leben oder dort ein neues Zuhause gefunden haben. Was ich von ihnen wissen möchte? Lest selbst. Meine Fragen an das Landleben habe ich vorab schon einmal für euch (und für mich) beantwortet.

Warum seid ihr aufs Land gezogen?

Weil wir nach der Geburt unserer heute fast dreijährigen Tochter nach einem schönen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum gesucht haben. Mit genug Platz für Kind und Kegel, in einer netten Nachbarschaft, gerne auch noch mit ein bisschen Grün drum herum. Und schnell feststellen mussten: So etwas gibt es in München. Aber zu einem Preis, den wir nicht zahlen können und wollen. Da traf es sich natürlich gut, dass mein Mann schon vor Jahren das einstiege Ferienhaus seiner Familie am Schliersee erworben hatte. Einen Wanddurchbruch, neue Fenster, ein neues Dach und diverse andere Baumaßnahmen später wurde aus dem Wochenendhaus ein kleines, feines Wohnhaus für unsere Familie. Und während unsere Tochter noch ein echtes Münchner Kindl ist, kam unser Sohn zu Beginn des Jahres hier in der Region zur Welt. Ein echter Countrykrümel eben …

Was ist das Schönste am Landleben?

Diese Frage habe ich ausführlich in meinem allerersten Post beantwortet. Lest gerne noch einmal nach, welche zehn Gründe, das Landleben zu lieben, ich gefunden habe.

Was ist die größte Herausforderung?

Die Logistik: Und damit meine ich, dass man tatsächlich sehr viel aufs Auto angewiesen ist, da es (bis auf den Regionalzug nach München und einige wenige Busstrecken) keinen öffentlichen Personennahverkehr gibt. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Dinge des täglichen Lebens. Mal eben ein Brot holen oder einen Liter Milch kaufen: Das kann ich auch zu Fuß, da wir nah am Zentrum von Schliersee wohnen. Und es dort neben dem Supermarkt auch Bäcker, Gemüsehändler, Metzger, Floristen, ein Buchlädchen und mehrere kleine Boutiquen gibt. Ich fürchte mich vielmehr davor, eines Tages als dauerpendelndes Mama-Taxi im Einsatz zu sein. Denn bis der Nachwuchs selbst einen Führerschein hat und alleine Auto fahren darf, dauert es noch immer rund 18 Jahre. Und Freundschaften werden nun mal nicht danach geschlossen, ob der andere fußläufig erreichbar ist. Hobbies nicht danach ausgesucht, ob sie direkt vor Ort oder vielleicht erst in der nahe gelegenen Kreisstadt stattfinden. Liebe Mamis da draußen, ich fragen schon jetzt: Wer will mit mir Fahrgemeinschaften bilden?

Eine Herausforderung der ganz anderen Art ist für mich die Natur: Nicht nur die Schneemassen im Winter, die man an manchen Tagen mehrmals täglich wegschaufeln muss, und die sich oft bis zum Frühjahr meterhoch in unserem Innenhof häufen. Auch tierische Plagen – wuseligen Ameisen, gefräßige Schnecken und Raupen – habe ich in dieser Form noch nie in der Stadt erlebt. Andererseits ist es natürlich auch etwas Besonderes, wenn du in einer klirrend kalten Winternacht nach Hause zurückkehrst und gerade noch so den Fuchs davonschleichen siehst.

Im Vergleich zum Leben in der Stadt: Was vermisst du?

Durch die Läden zu bummeln und sich vom Angebot inspirieren zu lassen. Trendteile anzufassen und Klamotten anzuprobieren, bevor ich sie kaufe. Und mich nicht nur auf die Maßangaben und Bildchen diverser Online-Shops zu verlassen. Mittendrin zu sein im Getümmel und Gewühl, wenn ich das will. Belebte Straßen – auch noch nach den Tagesthemen.

Mal unkompliziert meine Münchner Freunde treffen. Ohne die zwei Stunden An- und Rückreise. Und ohne das Arrangement mit dem Babysitter, weil der Krümelmann natürlich auch eine Stunde mehr Heimweg hat. Und es so fast unmöglich für ihn ist, die Kids rechtzeitig zu übernehmen.

In ein Kino zu gehen, das neben Blockbustern auch handverlesenes Programmkino zeigt. Gute Filme nicht erst Monate später über Apple-TV abrufen zu können. Wenn überhaupt.

In eine richtig coole Bar oder Kneipe zu gehen. In der der Preis der Getränke höchstens über das Ambiente gerechtfertigt werden kann. Oder noch nicht mal das. Und tanzen. Wann schafft man es eigentlich, mal wieder tanzen zu gehen als Eltern auf dem Land?

Welche Einrichtung würde deinen Ort bereichern?

Schliersee braucht einen Jugendtreff oder ein Jugendzentrum. Einen Ort, an dem junge Leute und Heranwachsende unter sich sein, aber auch betreute Angebote wahrnehmen können. An dem auch mal eine richtig coole Party stattfindet oder ein Kinoabend mit selbstgemachtem Popcorn. Mit einer Gemeinschaftsküche, in der die Jugendlichen füreinander kochen und anschließend gemeinsam essen können. Und vielleicht mit einem Proberaum für Nachwuchsmusiker oder Tanzgruppen. Einfach ein Ort, abseits des Elternhauses, an dem die 13-, 14- 15-Jährigen trotzdem gut aufgehoben sind. Denn ich habe das Gefühl, gerade für kleinere Kinder ist durch den tollen Spielplatz und die Nähe zur Natur viel geboten. Aber für junge Leute und Heranwachsende, die man vielleicht auch für das Landleben begeistern will, fehlt ein ansprechendes Freizeitangebot. Von den Kursen der Vereine einmal abgesehen natürlich. Ich fände es jedenfalls schade, wenn meine Kinder eines Tages nur noch im Zug nach München sitzen oder in die nahegelegenen Kreisstadt fahren, weil es ihnen am Wohnort selbst zu langweilig ist.

Inwiefern profitieren eure Kinder vom Leben auf dem Land?

Ich denke, dass die Krümellady und der Krümellord in gewisser Weise behüteter aufwachsen, weil sie Landkinder sind. Hier ist alles kleiner, überschaubarer, bekannter. Jeder kennt jeden. Zumindest über zwei Ecken. Und ich denke, das Vertraute schafft auch Vertrauen. In einer überschaubaren Welt kann ich mich freier bewegen, unbeschwerter vielleicht.

Andererseits möchte ich auch nicht, dass meine Kids fernab der Realität großwerden. Ich wünsche mir genauso für sie, dass sie das Getümmel einer Großstadt schätzen lernen, die Vielfalt der Menschen und Meinungen dort. Die Vielzahl der Angebote und Möglichkeiten, die es hier vor Ort vielleicht nicht gibt. Und weil ich selbst lange in der Stadt gelebt und das genossen habe, wünsche ich mir für sie, dass sie eines Tages flügge werden. Und aus ihrem – nicht nur sprichwörtlich – kleinen Nest aufbrechen, um ihren Horizont zu erweitern. Nicht nur bis zu den bayerischen Alpen blicken sondern weit darüber hinaus.

Ein anderer Aspekt, von dem meine Kinder profitieren, ist die Natur: Der Almabtrieb vor der Haustüre. Der Geruch nach frisch gemähten Wiesen. In fünf Minuten zum See rennen, schwimmen gehen und wieder heimkehren. Der Abendhimmel mit seinen unzähligen Sternen. Nirgendwo so gut zu erkennen, wie auf dem Land, wo es noch richtig dunkel wird.

Das schlimmste Klischee oder Vorurteil übers Landleben?

Das der Landpomeranze. Ungehobelt. Ohne Benehmen und Bildung. Dafür mit pomeranzenroten Pausbacken. Das überzeichnete und abwertende Klischee des kleinen Dummchens vom Land. Einfach völlig aus der Zeit gefallen.

Deine Must-Haves fürs Landleben?

Gummistiefel, die gute Laune machen. So wie meine blau-weiß-gestreiften. Lustigerweise habe ich sie mitten in der Stadt, in einem trendigen Shop in Berlin-Friedrichshain, erstanden. Einen guten Ratgeber zum Thema Flora und Fauna. Alternativ, Mutter und Schwiegermutter, die sich mit Grünzeug auskennen und Fragen beantworten wie: Was pflanze ich wann? Wie viel Sonne verträgt meine Rose? Und wie werde ich Invasionen von Schnecken, Ameisen oder Raupen wieder los? Und nicht zu vergessen: Ein Auto mit Allrad. Ohne das käme ich im Winter niemals durch den Tiefschnee den Berg zu unserem Haus hinauf.

Wie hast du vor Ort Kontakte geknüpft?

Das war in der Tat meine größte Sorge als wir von der Stadt aufs Land zogen: Wie sollte ich hier neue Leute kennenlernen? Tatsächlich stellte sich heraus: Mit einem vier Monate alten Baby gar nicht so schwer. Ob Babyschwimmen, PEKiP, Kleinkindturnen, Spielplatz oder die Kinderbetreuung im Fitnessstudio: Es gar sehr viele Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu treffen. Heute kann ich sagen, dass meine Kinder mich mit vielen tollen Menschen in Verbindung gebracht haben. Hinzu kommt: Der Krümelmann und ich hatten einen echten „Heimvorteil“. Weil wir schon vor dem Umzug viele Wochenenden auf dem Land verbrachten und liebe Leute vor Ort kannten. Und weil die Familie des Mannes schon seit ihren Sommerurlauben Kontakte in der Region pflegt. Und nicht zu vergessen: Wir haben eine tolle Nachbarschaft, die wahnsinnig hilfsbereit ist und mit der man irre gute (Grill-)Feste feiern kann.

Deine Lieblingsorte für und mit Kindern?

Da gibt es viele. Deshalb hier nur ein kurzer, unvollständiger Einblick: Auch wenn wir ihn am Wochenende oft teilen müssen: Der großartige Spielplatz direkt gegenüber der Bootsanlegestelle am Schliersee ist meine Nummer eins für Familien. Rutschen, Nestschaukel, Karussells für die Kleinen. Eine Seilbahn und tolle Wasserspiele unten am Flüsschen für die nicht mehr ganz so Kleinen. Und für die Erwachsenen gibt’s große Liegebänke zum Verschnaufen und Zuschauen. Für die Erfrischung hinterher sorgt der Bootsverleih nebenan. Fruchtschorlen und Eis lassen sich auf Liegestühlen direkt am Wasser genießen.

Der Gasthof Maierhofer in Aurach. Vom Schliersee aus mit einer netten Radtour entlang des Seeufers zu erreichen. Dort gibt es deftige bayerische Küche zu fairen Preisen und einen kleinen Spielplatz für den Nachwuchs. Wer ein Kleinkind hat, das noch nicht eigenständig klettert und schaukelt, reserviert den Freisitz-Tisch direkt neben dem Sandkasten.

Mit leckerem Kuchen und einem großen Garten mit Spielplatz lockt das Café Krugalm in Fischbachau.

Mit wunderschöner Aussicht, viel Platz zum Toben und einem stillgelegten Traktor zum Spielen punktet das Bergcafé Siglhof auf Hochkreuth über Bayrischzell.

A propos Bayrischzell: Hier gibt’s im Winter den ultimativen Familie-Schneespaß. Snowtubing am Tannerfeld, direkt am Ortsrand von Bayrischzell.

In der warmen Jahreszeit lohnt sich ein Besuch im Bergtierpark Blindham. Dort begeistern nicht nur die schöne Anlage mit den Tieren sondern auch zahlreiche Hüpfburgen, Rutschen, Bagger.

Deine Lieblingsorte für und mit Erwachsenen?

Auch hier nur ein kurzer, unvollständiger Einblick: Im Sommer natürlich das Strandbad Schliersee. Das Restaurant, der Freisitz am Steg oder die Chill-Out-Lounge sind perfekt für einen lauschigen Sommerabend. Wer Glück hat, bekommt den malerischen Sonnenuntergang gleich mit serviert.

Als weitere Draußen-Aktivität mag ich die gemächliche Zwei-Stunden-Wanderung vom Spitzingsee durchs Valepp ins Forsthaus Valepp, wo es super-leckeren Kaiserschmarrn gibt.

Zum Kaffee-Trinken mit Freundinnen gefällt mit das Elisabeths Platzerl in Miesbach, weil es so gemütlich ist und so viel (pinke) Lebensfreude ausstrahlt. Im Winter unbedingt das warme Birchermüsli zum Frühstück wählen!

Auch toll, wenn man mit Krabbelkindern oder Babyschalen unterwegs ist und etwas mehr Platz benötigt: die Kaffeerösterei Dinzler am Irschenberg. Im Restaurant in der ersten Etage kann man sich es auf Riesen-Sofas bequem machen. Und die Anfahrt für Freunde aus München ist auch einfach, da Dinzler direkt an der A8/Ausfahrt Irschenberg liegt.

Das aber nur als erster Eindruck: Mehr Lieblingsplätze im Landkreis Miesbach gibt’s vielleicht mal in einem gesonderten Post …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.