GeschwisterliebeWarnung! Das hier wird ein Post mit rosaroter Brille. Wer sich gerade über Geschwisterstreit und Eifersuchtsattacken unter Brüdern und Schwestern ärgert, der möge diesen Text getrost wegklicken. Und mich für meine Blauäugigkeit verspotten. Wer aber – wie ich derzeit – miterleben darf, wie rührend es ist, wenn ein Geschwisterpaar zusammenwächst. Wenn sich eine Große und ein Kleiner seit bald einem halben Jahr täglich besser kennenlernen. Und dieses Kennenlernen auf so eine liebevolle Art und Weise zelebrieren, dass einem ganz warm ums gefühlsduselige Mutterherz wird. Wer also solcherlei Empfindungen nachvollziehen kann, der möge sich mit mir freuen und mir meine Illusion nicht rauben. Zumindest die von der wirklich wahren Geschwisterliebe nicht.

Ich weiß, es wird nicht so bleiben. Ich weiß, es werden die Fetzen fliegen. Ich weiß, ich werde noch so manche Träne trocknen, so manchen Streit schlichten, so manche kleine Hand aus dem Haarschopf des Geschwisterkinds ziehen müssen. Aber bis dahin, lasst es mich genießen und gönnt mir die Momente. Momente inniger Verbundenheit unter zwei kleinen Geschöpfen, die zu betrachten es so viel Spaß macht:

  • Wenn die Große dem Kleinen „Gute Nacht“ sagt. Und ihm dazu feuchte Küsse aufs Köpfchen und seine kleinen Hände drückt.
  • Wenn der Kleine glucksend vor Lachen zusieht, wie die Große wild auf dem Bett herumspringt.
  • Wenn die Große sich zum Kleinen unter den Spielebogen legt und nach seiner Hand greift.
  • Wenn der Kleine unbedingt mit zum Friseur gehen soll. Und das Argument „Aber er hat doch noch kaum Haare auf dem Kopf.“ für die Große einfach nicht zählt.
  • Wenn die Kids in der KiTa die Babyschale umringen und die Große sogleich ihren Besitzanspruch kundtut: „Vorsicht! Das ist MEIN (bitte hier mindestens drei Ausrufezeichen mitdenken) kleiner Bruder!“
  • Wenn der Kleine den Kopf hin und her wendet und die Große beflissen übersetzt: „Er hat ‚nein’ gesagt!“
  • Wenn der Kleine im Babybett liegt und die Große sich spaßeshalber dazu kuschelt. Und der Kleine sie mit seinen großen Babyaugen fragend anblickt.
  • Wenn ein unglaublich stolzes und sehr glückliches Lächeln auf dem Gesicht der Großen liegt. Weil wir ihr den Babybruder in den Arm gelegt haben und sie ihn halten darf.
  • Wenn die Große „Brüderchen, komm tanz mit mir“ singt, die Hände ihres kleinen Bruders nimmt und seine Ärmchen auf und ab bewegt. Und der Kleine sich dabei kringelig lacht
  • Wenn die Große darauf besteht, ihr kleiner Bruder solle bei ihr im Bett schlafen. Und wir den Kleinen für einen Augenblick neben sie in ihre Koje klemmen.
  • Wenn der Kleine vor Freude wild mit Armen und Beinen rudert. Weil wir ihn zu seiner großen Schwester in die Badewanne gehoben haben. Und die sogleich seine kleinen Füße einseift.

Und ja, ihr Realisten da draußen: Die rosarote Brille sitz fest auf meiner Nasenspitze. Sehr fest. Denn ich wünsche den beiden – der Großen und dem Kleinen – das sie sich auch dann noch so gut leiden können, wenn sie einmal pickelig und pubertär sind. Dass sie einander auch dann noch zugewandt sind, wenn sie nicht mehr gemeinsam unter eine Decke passen.

In diesem Sinne: Habt einen schönen Abend! Und lasst eure Geschwister einmal wieder wissen, wie wichtig sie euch sind.

1 comment on “Die Große und der Kleine: Über Geschwisterliebe.”

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