KindertagAls ich in der Grundschule war, versuchten meine Eltern, mir das Unerklärliche zu erklären: Laut einem UNICEF-Bericht aus dem Jahr 2013 verstirbt alle fünf Sekunden ein kleines Kind. Ich weiß noch, dass ich in unserer Küche stand, immer wieder die Sekunden an meinen Fingern abzählte und die Dimension dieser Aussage mir dennoch völlig unbegreiflich erschien: Ich trinke einen Schluck Wasser – „Jetzt stirbt ein Kind.“ Ich nasche ein Stück vom selbstgebackenen Kuchen – „Jetzt stirbt ein Kind.“ Auch heute, als Erwachsene, vermag ich mir die Zahl – alle paar Sekunden, ein kleines Kind – in letzter Konsequenz kaum auszumalen. Vor allem nicht, wenn ich an meine eigenen Kinder denke. Zum heutigen (Internationalen) Kindertag deshalb ein paar Zahlen und eine Bitte.

Wir sind in der privilegierten Lage, unseren Kindern Vieles bieten zu können. Wir fragen uns vielleicht, wie wir ihnen gerade heute, am Kindertag, eine kleine Freude machen können. Ein Eis? Oder doch lieber der gemeinsame Besuch im Zoo? Wenn es aber um die Situation von Kindern weltweit geht, werden andere Fragen drängender: Wie kann man die Sterblichkeit von Kindern und Säuglingen wirkungsvoll senken? Impfschutz, Antibiotika, Moskitonetze, Aufklärungskampagnen – was sind die Mittel der Wahl? Antworten auf diese und andere Fragen liefern Hilfsorganisationen, wie beispielsweise das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF. Von diesem stammen auch die folgenden ausgewählten Zahlen zur Lage von Kindern heute:

  • Fast 50 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind auf Mangelernährung zurückzuführen.
  • 165 Millionen Kinder weltweit sind durch chronische Mangelernährung in ihrer Entwicklung zurückgeblieben.
  • 19.000 Kinder unter fünf Jahren sterben täglich, allein 1.800 davon an Durchfallerkrankungen. Ihnen fehlen sauberes Wasser zum Trinken und Händewaschen sowie sanitäre Anlagen.
  • In 17 Prozent aller Fälle (und damit am häufigsten) führt eine Lungenentzündung zum Tod von Kindern, es folgen Komplikationen nach einer Frühgeburt (15 Prozent), Komplikationen während der Geburt (10 Prozent), Durchfallerkrankungen (9 Prozent) und Malaria (7 Prozent).
  • 1.000 Mädchen und Jungen stecken sich täglich mit dem HI-Virus an – schon vor oder bei der Geburt sowie beim Stillen.

Ich weiß, der Weltkindertag ist ein Tag zum Feiern. Zum sich Freuen – am und mit dem Nachwuchs. Aber ich finde, er ist auch ein Tag zum Nachdenken und Weiterdenken. Deshalb meine Bitte: Nehmt das Eintrittsgeld für den Zoo. Oder das Essensgeld für den Biene-Maja-Eisbecher. Und verdoppelt die Summe. Und spendet den zweiten Teil für Kinder, denen es weniger gut geht als den unseren. Ich selbst bin zuweil faul und vergesslich und lasse deshalb jeden Monat eine regelmäßige Spende (zur Prävention von „Gewalt gegen Mädchen“, wer’s genau wissen möchte) von meinem Konto abbuchen. Aber schon für wenige Euro kann man zum Beispiel ein Moskitonetz finanzieren und so Eltern und Kinder vor der Malaria-Mücke schützen. Für nicht einmal zehn Euro lassen sich 300 Tagesrationen Mikronährstoffpulver finanzieren … Und was gibt es Schöneres als Kindern zu helfen – den eigenen, in der Nachbarschaft oder sogar weltweit?! In diesem Sinne: Verbringt einen tollen Tag mit Euren Liebsten!

PS: Ich erwähne zwar das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in meinem Post, habe aber bewusst keine Links zu einzelnen Hilfsorganisationen gesetzt. Denn natürlich gibt es zahlreiche förderungswürdige Initiativen, die sich für das Wohl von Kindern engagieren – ob SOS Kinderdörfer, Ärzte ohne Grenzen, Plan Patenschaften und viele mehr. Eine gute Auswahlhilfe bietet die Liste der Spenden-Siegel Organisationen des Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DIZ).

1 comment on “Zum Kindertag: Ein paar Zahlen und eine Bitte.”

  1. Mangelernährung ist wirklich ein großes Thema. Damit verwoben sind aber auch die Themen: Bildung, Aufklärung und generelle Verbesserung der Situation der Frauen.

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