Wartemodus ausschalten. Im Jetzt leben.Neulich in der PEKiP-Gruppe (Sorry, Mädels, dass ihr schon wieder herhalten müsst!): „Ihr dürft euch gegenseitig etwas wünschen“, fordert uns die Trainerin auf. Neben den obligatorischen guten Wünschen – „Einen schönen Sommer!“, „Einen erholsamen Urlaub!“ – gibt es einen Gedanken, der länger nachklingt: „Dass wir im Jetzt leben. Es genießen. Und nicht immer voraus schauen und darauf warten, dass die Kinder größer werden, erwachsener, vielleicht weniger anstrengend.“ Was für ein kluger Impuls! Denn mal ehrlich, wer tendiert im Alltag nicht ab und an dazu, den „Wartemodus“ einzulegen …

Ich weiß es noch wie heute: Die Krümellady war noch keine vier Monate alt. Und mit mir in der Münchner Straßenbahn unterwegs. Linie 16 oder 17. Meine alte Heimat-Strecke. Doch irgendetwas passte nicht. Das Kind schrie. Und zeterte. Im Kinderwagen war es unzufrieden. Auf dem Arm auch nicht richtig glücklich. Ich spürte die Blicke meiner Mitfahrer. Die Durchsage kündigte den „Romanplatz“ an. Endlich würden wir aussteigen können. Ich atmete auf. Da kam eine alte Dame auf mich zu. Tätschelte mir großmütterlich den Arm und sagte: „Ach, Kindchen, glauben Sie mir: Es wird immer besser werden.“ Ich musste lächeln. Die Krümellady vergaß vor Überraschung, sich zu beschweren. Und machte stattdessen große Augen.

Eine tröstende Geste. Von einer lebensklugen alten Dame. Und dennoch bleibt die Frage: Was, wenn wir unser ganzes Leben darauf warten, dass „es“ besser wird? Dass die schlimmen Zahn-, Ess-, Schlafphasen verbeigehen. Dass endlich das – ja, ich gebe es zu! – zum Teil herausfordernde erste Babyjahr geschafft ist. Dass das Kind endlich sitzen, laufen, sprechen, aufs Klo gehen kann. Verpassen wir dann nicht den Moment? Den Moment, um eine Extra-Kuscheleinheit mit dem fiebernden Kind einzulegen. Den Moment, um ein Wohnzimmerpicknick zu machen, bei dem alle „Mag ich nicht, bäh!“-Zutaten plötzlich und rasend schnell in gierigen, kleinen Kindermündern verschwinden. Den Moment, um leise flüsternd am Kinderbett zu sitzen, nachdem der Nachwuchs schon zum zehnten Mal unter fadenscheinigen Begründungen („Da war ein komisches Geräusch, ehrlich!“) wieder aufgestanden ist. Den Moment, um eine Bauch-Pust- und Kitzel-Einheit auf dem Wickeltisch einzulegen, bevor das Kind endgültig windelfrei ist und mit einem energischen „Mama, ich kann das selbst!“ die Badezimmertür zuschlägt.

Wie sagt man doch so schön in den stressigen Phasen des Lebens: Augen zu und durch! Was aber, wenn Abwarten und Augen schließen in Wirklichkeit keine Überlebensstrategie sind. Sondern der beste Weg, das wirkliche Leben zu verpassen? Was, wenn die stressigen Phasen eigentlich die schönsten sind? Nämlich die Phasen, in denen uns unsere Kinder am meisten brauchen. Ja, es ist einfacher gesagt als getan. Ja, es fällt nicht immer leicht. Aber: Hören wir auf zu Warten! Das Leben läuft sonst ohne uns weiter. Unsere Kinder laufen ohne uns weiter. Wenn wir mit ihnen Schritt halten wollen, gibt es nur eins: Bremse lösen, Wartemärkchen zerreißen, im Jetzt leben. Es wird immer besser werden? Nein: Das Gute passiert schon jetzt! Wir müssen nur die Augen öffnen und genau hinsehen.

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