Hand freiDa war sie wieder: die Situation, in der ich gerne zwei Paar Hände, vier Paar Augen und den Hals einer Giraffe gehabt hätte. Ja, Mütter kommen schon auf komische Ideen. Zumindest dann, wenn sie mit einem sechs Monate alten Baby und einer quirligen Fast-Dreijährigen im örtlichen Strandbad sind. Und die beiden selbstverständlich immer gleichzeitig meine größte Aufmerksamkeit benötigen. Denn gerade als der fürchterlich zahnende Krümellord seine Windel bis zum Anschlag und darüber hinaus gefüllt hat, meldet auch die Krümellady ein dringendes und unaufschiebbares Bedürfnis an: „Mami, ich muss Pipiiiiiiiii!“ Kann jemand mal schnell einen Doppelgänger für mich herzaubern? Oder zumindest ein zweites Paar Hände?

Also rasch mit der einen Hand den Krümellord versorgt. Mit der anderen die nervös von einem auf das andere Bein trippelnde Krümellady beruhigt. Glücklicherweise ist eine liebe Nachbarin dabei, die das halb gewickelte Baby samt frischem Body entgegennimmt. Derweil umrunden die Krümellady und ich im hektischen Slalomlauf die auf der Liegewiese verstreuten Sonnenliegen, Handtücher, Schwimmtiere, Kühltaschen und SUP Boards. Geschafft! Gerade noch rechtzeitig erreichen wir das Toilettenhäuschen. Erleichterung. Wortwörtlich.

Seepferdchen trifft Schattensucher

Ich habe das komische Gefühl, mein Alltag besteht derzeit aus einer Aneinanderreihung von Momenten, in denen ich selbst – quasi in Normalform, ohne Klon-Arme – irgendwie nicht genug bin: Schon auf dem Weg zum See verkündet die Krümellady immer wieder: „Mama, ich will ganz weit rein schwimmen. Ganz weit.“ Wenigstens lässt sie sich dazu bereitwillig ihre Schwimmflügel anziehen. Während die Große also vergnügt im Wasser plantscht, wird es unserem jüngsten Familienmitglied in der Sonne am See schnell zu heiß. Was also tun? Meinen nicht vorhandenen Giraffenhals ausfahren, um die Krümellady von Land aus im Auge zu behalten? Nicht wirklich optimal. Denn von „Schwimmen“ kann noch keine Rede sein. Und der Schliersee trägt nicht gerade deshalb seinen Namen weil er so glasklares Wasser mit bester Sicht hätte. Wieder rettet uns eine liebe Nachbarin, die den Krümellord mit unter die schattenspendenden Bäume des Strandbads nimmt, wo er in Seelenruhe sein Holzspielzeug bekauen kann. Während ich das kleine Seepferdchen aus nächster Nähe im Auge behalte.

Die vierte Hand sind meine Nachbarn

Nach zwei Stunden Badespaß bin ich fix und fertig. Sonne getankt? Eis genossen? Wasser gespritzt? Definitiv ja! Aber auch Angstschweiß vergossen. Katastrophen verhindert. Gretchenfrage gelöst (Flutschfinger oder Ed von Schleck?). Und Nerven gestählt. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ich mich zwar nicht klonen kann. Aber die Hilfe von Nachbarn und Freunden mehr wert ist als jede dritte, vierte oder fünfte Hand. Danke ihr Lieben! Ihr seid großartig! Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Gut, dass ich auf dem Dorf wohne.

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