Ueber SelbstliebeNeulich im Auto auf dem Heimweg von der KiTa. Die Sonne scheint, wir fahren einen Hügel hoch und einige Strahlen blinzeln durch den Sonnenschutz der Krümellady. „Mama, ich mag die Sonne“, schallt es von der Rücksitzbank. „Ich auch, mein Schatz“, erwidere ich. Kurze Pause. Dann sagt die Krümellady: „Mama, dich mag ich auch! Und ich mag den Krümellord. Und Papa.“ „Das freut mich“, sage ich und lächle gerührt. Stille. Dann legt die Krümellady noch einen drauf: „Mama, ich mag mich auch.“ Jetzt hat sie mich, die kleine Lady! Denn mal ganz ehrlich: Welcher Erwachsene würde das schon so freimütig von sich selbst behaupten? Ohne selbstkritisch-ironische Distanz zu wahren. Ohne gleichzeitig auf seine besonderen Verdienste hinzuweisen und seine Haltung zu begründen?

„Ich mag mich.“ Selbstliebe. In drei simplen Wörtern. Simpel auszusprechen, aber so verdammt schwer über die Lippen zu bringen. Drei Wörter, die der Anfang von allem sind. Die Basis, auf der alle unsere Beziehungen zu anderen Menschen gründen: Denn nur wer sich selbst leiden kann, kann auch Sympathie für andere empfinden. Nur wer auf sich selbst Acht gibt, erkennt auch, was andere Menschen brauchen. Nur wer die eigene Stimme hört, klar und deutlich, kann auch anderen sein Ohr schenken.

Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass man als Erwachsener zwar oft mit sich selbst im Reinen ist, zufrieden ist, gut findet, was man tut. Aber auf ein „Ich mag mich“, „Ich find’ mich richtig gut“ folgt meist noch ein „weil“. Ich mag mich, weil ich den inneren Schweinehund beiseite geschoben habe und seit Langem mal wieder Joggen war. Ich find’ mich gut, weil ich mal wieder im Akkord Klamotten gewaschen und gebügelt habe und im Wäschekorb jetzt angenehm gähnende Leere herrscht. Ich mag mich, weil ich einen Nachmittag mit Kids und Baby und Freunden und Spielplatzbesuch und Seebaden und Würstchen für alle verbracht habe, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich find’ mich gut, weil ich diese verdammt kluge Idee für einen Blog-Post oder ein PR-Konzept hatte.

Ganz anders bei unseren Kindern: Für sie ist das sich-Mögen bedingungs- und voraussetzungslos. „Ich mag mich.“ Bämm! Nicht „weil“, nicht „deswegen“, nicht „trotzdem“. Einfach: „Ich mag mich.“ So wie ich bin. Ohne etwas dafür tun zu müssen. Wie cool ist das denn? Wie unabhängig ist das denn? Ich wünschte, wir alle könnten uns ein wenig von dieser (alles andere als) kindlichen Geisteshaltung bewahren. Denn mal ehrlich: Es ist oft so leicht, dem inneren Kritiker Raum zu geben. Und so schwer, ihn mit einem herzerfrischenden „Ich mag mich.“ zum Schweigen zu bringen.

Im Auto denke ich eine Weile nach. Lasse das Fenster hinunter und den Fahrtwind in den heißen Innenraum. Laut sage ich: „Das finde ich gut, Krümellady! Man sollte sich selbst gut leiden mögen.“ Für mich denke ich: „Behalt dir das bei, kleine Lady. Bitte, behalt dir das bei!“

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