Übers TaufenEigentlich sollte dies ein Text übers Taufen werden. Denn im Herbst feiern Krümellady und Krümellord gemeinsam ihre Taufe. Aber dann habe ich darüber nachgedacht, warum ich die Kinder mit einem Glauben aufwachsen lassen möchte. Obwohl ich offen gesprochen kein fleißiger Kirchgänger oder besonders gläubiger Mensch bin. Und dabei bin ich auf meine Großmutter gekommen. Denn Glaube, Gott, Liebe: All das verbinde ich mit dieser kleinen, zuletzt gebeugten Frau, bei der mein Bruder und ich unbeschwerte Kindheitstage verbrachten.

Omi, so nannten wir sie, war eine sehr gläubige Frau. Sicher auch durch ihre eigene Geschichte: Denn während des Zweiten Weltkriegs verlor sie ihre Heimat im heutigen Tschechien und als sie gerade einmal zwölf Jahre alt war, starb ihre Mutter. All das machte sie nicht verbittert. Im Gegenteil. Sie wollte umso mehr das beschützten, was sie liebte. Uns zum Beispiel, ihre Enkelkinder. Die sie unbestritten sehr, sehr liebte.

Jeden Abend saß Omi an unseren Betten. Nicht ohne uns zuvor mit einem „Nachthupferl“, meist geschälten Apfelspalten, die ohnehin vollen Mägen zu füllen. Und dann sprach sie mit uns. Über das Heute und was wir unternommen hatten. Über das Morgen und was kommen würde. Und über das Gestern. Ihr Gestern, das in ihren Erzählungen von früher ebenso präsent war wie das Heute.

Und natürlich redete sie auch über Gott. Nestelte mit ihren von Arthrose gekrümmten Fingern meine Bettdecke zurecht und sang mit ihrer hohen, manchmal brüchigen Stimme: „Morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder geweckt.“ Und ich gruselte mich ein bisschen, weil ich darüber nachdachte, was wäre, wenn Gott nicht wollte. Aber Omi ließ keinen Zweifel daran, dass er uns wollte. Und wir selbstverständlich immer wieder erwachen würden.

Und sie betete. Mariengebete waren ihr die liebsten. Wahrscheinlich, weil sie in der „Mutter Gottes“, wie sie sie oft nannte, auch ein bisschen ihre eigene, geliebte Mutter sah: „Maria breit den Mantel aus“, betete sie. „Mach Schirm und Schild für uns daraus.“ Ich stellte mir dann immer vor, wie mich eine Frau mit einen riesigen blauen Samtmantel umarmte. Sie trug einen Regenschirm und hatte das Gesicht meiner Großmutter.

Omis Religiosität faszinierte mich. Ein Glaube, der nicht intellektuell war. Sondern einfach, bodenständig. Voll Vertrauen in das Gute, den Menschen. Meine Großmutter faszinierte mich. Denn sie kannte nicht nur unzählige Geschichten von früher sondern auch so merkwürdig klingende Worte wie „gebenedeit“: „Gegrüßet seist Du Maria voll der Gnade. […] Du bist gebenedeit unter den Frauen.“ Ich konnte stundenlang über die Bedeutung dieses Wortes nachdenken. Gebenedeit. Gesegnet.

Omi war ein Segen für uns. Und mit der Taufe möchte ich meine Kinder nicht nur segnen lassen. Sondern ich möchte ihnen auch das vermitteln, was meine Großmutter mir in meiner eigenen Kindheit mitgegeben hat: Du bist beschützt, gut aufgehoben, geliebt. „Ich rufe Dich bei Deinem Namen“, steht auf der Taufbroschüre, die unser Pfarrer uns neulich vorbeibrachte. Es ist auch Omis Name. Denn unsere Tochter haben wir nach ihr benannt.

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