SommerpauseIch bin zurück aus der Sommerpause. Und seeeehr entspannt. Na ja, zumindest überwiegend entspannt. Denn seit der letzten Woche toben sich die Handwerker bei uns aus. Renovierungsarbeiten am und (schlimmer noch!) im Haus. Ihr könnt euch also vorstellen, wie laut es hier gerade ist. Und wie es aussieht. Und was nicht alles passiert beim Umbauen. Heute zum Beispiel ein Anruf von unserer Zimmerei: Die Arbeiten an der Fassade könnten zunächst nicht weitergeführt werden. Einer der Handwerker hat sich am Wochenende den Knöchel verknackst. Beim Schuhplatteln. Ja, sowas gibt’s in Bayern … Aber was macht schon das bisschen Chaos? Das bisschen Baustaub? Was machen die paar Farbspritzer auf dem Treppenaufgang?

Reine Luxusprobleme! Denke ich immer wieder angesichts des europäischen Flüchtlingsdramas. Das sich in den vergangenen Tagen ja noch einmal zugespitzt hat. Spätestens seitdem die Fotos des kleinen Aylan um die Welt gingen, lässt das Thema wohl keinen mehr los. Ein Dreijähriger, angespült wie ein Stück Treibholz am Strand von Bodrum. Ein kleiner, lebloser Körper. Dennoch voll bekleidet. Ein Kind von drei Jahren. Genau wie meine Tochter. Wenn ich darüber nachdenke, bekomme ich Gänsehaut.

So wie am Sonntag vergangener Woche am Hauptbahnhof in München. Als wir von unserem zweiwöchigen Urlaubstrip auf die Nordseeinsel Juist zurückkehrten. Und zeitgleich mit hunderten von Flüchtlingen dort eintrafen. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Hier wir Urlaubsreisenden, gut erholt, zum Teil sonnengebräunt. Dort die Flüchtlinge und Flüchtenden. Blass, erschöpft, müde. Aber froh, den Münchner Hauptbahnhof erreicht zu haben. Wir, die wir selbst für zwei Wochen Ferien mit vollem Gepäck unterwegs waren. Und Menschen, die ihr ganzes Leben zurückgelassen haben. Deren Habseligkeiten in eine einzige Umhängetasche passen.

Wir freuten uns auf unser eigenes Bett. Sie hofften, überhaupt ein Bett zu bekommen. Oder zumindest eine Isomatte. Unser Baby schlummerte gemütlich in seinem Kinderwagen. Zufrieden, beschützt, beschirmt. Während die Kleinsten der Flüchtlinge besonders mitgenommen von den Strapazen der Flucht waren. Schon so viel gesehen in ihrem jungen Leben. So viel Angst verspürt, so viel Unsicherheit. Wir freuten uns, wieder zu Hause zu sein. Sie haben ihr Zuhause verloren. In der vagen Hoffnung, in der Fremde so etwas wie Heimat zu finden. Zwei Welten. Seite an Seite auf dem Bahnsteig. Und doch so weit voneinander entfernt.

Umso bewundernswerter wie viele Leute sich engagieren, um Brücken zu bauen. Um die eine mit der anderen Welt zu verbinden. Um Willkommen zu heißen. Geld zu spenden. Kleidung, Schlafsäcke, Kochgeschirr oder Isomatten zu geben. Oder einfach nur ein paar Minuten Zeit und ein Lächeln. Viele tun das ehrenamtlich. Selbstlos und doch so selbstverständlich. Ich finde es großartig, was die vielen Helfer in den vergangenen Wochen geleistet haben. Noch einmal: Bewundernswert! Danke dafür! Danke, für das, was ihr tagtäglich stemmt!

Auch – oder gerade weil – die Situation an den Grenzen jetzt wieder eine ganz andere ist, hoffe ich, dass dieser Kraft noch lange anhält. Dass dieses Engagement in der Flüchtlingskrise nicht versiegt. Dass der Begriff Willkommenskultur weiterhin mit Leben gefüllt wird. Für alle, die das unterstützen wollen, hier wenige ausgewählte Links:

  • Eine Übersicht relevanter Spendenkonten gibt es auf den Seiten des ZDF.
  • Ich selbst habe für die Soforthilfe-Pakete von UNICEF gespendet, die Kinder und Familien auf der Flucht dort erreichen, wo sie sich gerade aufhalten.
  • Wie man insbesondere Flüchtlingen in München helfen kann, verrät das offizielle Stadtportal.
  • Im Landkreis Miesbach, wo ich zu Hause bin, ist das Lager für Sachspenden in der alten Klosterschule Miesbach (neben der Kinderkrippe) derzeit voll. Es macht aber Sinn, sich zum Winter hin wieder zu erkundigen, ob und welche Artikel benötigt werden. Weiterhelfen kann euch zum Beispiel die Integrationsbeauftragte der Stadt Miesbach, Inge Jooß (Tel. +49 (0)80 25.36 92).
  • Was man bei Sachspenden beachten sollte und welche Organisationen Sachspenden entgegen nehmen, hat die tolle Aktion #Bloggerfuerfluechtlinge zusammengetragen.

Ihr habt weitere Tipps und Hinweise? Immer her damit! Ich freue mich über Ergänzungen und darüber, wieder hier zu sein!

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