Was ich früher spießig fandKennt ihr das? Manche Dinge, die ihr als Eltern tut, erinnern euch an eure eigene Kindheit. Aber nicht im nostalgischen Sinne. Wie die Erinnerung an ein tolles Buch, das ihr selbst als Kinder vorgelesen bekamt. Und heute zusammen mit eurem Nachwuchs anschaut. (Aktuell bei uns hoch im Kurs: das uralte Kindergartenbuch Zempi weiß Bescheid.) Es ist vielmehr so, dass ihr euch ein bisschen ertappt fühlt. Peinlich berührt. Denn ihr entdeckt Verhaltensweisen an euch selbst, die ihr als Kind und Jugendliche immer mega-spießig fandet, nicht zum Aushalten … Zum Beispiel das Thema Hausschuhe. Aus Sicht meines Kinder-Ichs völlig überbewertet, wenn nicht gar überflüssig. Aus heutiger Perspektive unerlässliches Accessoire während der Schnupfen-Saison. Ein kritischer Blick in meinen Mama-Alltag …

Klamotten rauslegen

Zugegeben: Eine Antwort auf die Frage „Was trage ich heute?!“ zu finden, kann bei uns Mädels durchaus mal etwas dauern. Nur leider hat man als Mama keine Zeit für ausgedehntes Kleiderschrank-Wühlen oder Looks-Austesten. Also mache ich, was mir früher immer gänzlich über-organisiert erschien: Ich lege schon am Vorabend die Klamotten für den nächsten Tag raus. Nicht nur für mich. Sondern auch für meine Krümelkids. Denn oftmals bin ich morgens alleine mit den Beiden. Und wenn ich vor dem Kindergarten erst noch anfangen sollte, die Kleider für uns alle zusammenzusuchen (im schlimmsten Fall unter Mitwirkung der Krümellady!), würden wir vermutlich nie das Haus verlassen.

Hausschuhe tragen

Wie schon gesagt: Als Kind liefen Hausschuhe bei mir in der Kategorie „Menschheitsgeißel“. Besonders bei den halbhohen „Hüttenschuh“-Klassikern aus Schurwolle freute ich mich heimlich, wenn vorne wieder mal der dicke Zeh durchbrach. Heute besitze ich selbst zwei Paar, habe für meine Tochter gerade schönste Schurwolle in ihrer neuen Schuhgröße nachgekauft und bin überzeugt: Mit Hausschuhen an den Füßen lassen sich (gefühlt) die Hälfte aller Wintererkältungen vermeiden.

Mittagsschlaf halten (lassen)

Gääähhhnnn, Mittagsschlaf ist so ziemlich die überflüssigste Erfindung seit es Eltern gibt … Zumindest aus Kindersicht. Heute hole ich meine Tochter extra für einen solchen vom Kindergarten ab. Weil ich weiß, dass ihre Laune ohne Siesta am Mittag einen ungesunden Tiefpunkt erreichen kann. Weil es ihr gut tut, den Vormittag auf diese Weise zu verarbeiten. Und – ganz uneigennützig: Weil ich in der Zeit eine kleine Pause machen und Blogbeiträge wie diesen vorbereiten kann. Vorausgesetzt natürlich, ich schaffe es, die mittäglichen Nickerchen meiner beiden Krümelkids zu synchronisieren. Jaaa, das Thema Mittagsschlaf ist eine Wissenschaft für sich. Und hat in meinem heutigen Leben eine nie geahnte Bedeutung erlangt.

Essen einfrieren

Ich weiß nicht, wie euch das ging: Aber für mich verhielt sich Tiefkühlkost zu frisch zubereitetem Essen als Kind ungefähr so wie eine Kaufhaus-Jeans zu einer echten Levis. Irgendwie grauer. Irgendwie weniger geschmackvoll. Heute bin ich unglaublich froh, Selbstgekochtes nach Bedarf einfrieren und wieder auftauen zu können. Anders hätte ich die zwei Jahre meiner Tochter in einer (sehr guten!) Selbstversorger-KiTa nicht durchgestanden. Denn ganz ehrlich: Als Working Mum nach Arbeitstag, Spielplatz-Ausflug und ausgedehnter Zubettgeh-Zeremonie noch jeden Abend den Kochlöffel zu schwingen und für den nächsten Mittag vorzukochen, überstieg einfach meine Kräfte. Und auch jetzt, in der Elternzeit mit Baby und Kleinkind, ist ein Päckchen tiefgekühlte Bolognese-Sauce meines Mannes der Geheimtipp für Krankheits- und Krisentage.

Was findet ihr spießig? Und verliert man als Eltern automatisch auch ein bisschen Coolness und Gelassenheit? In einer Spießer-Disziplin – dem Sonntagsfrühstück in familiärer Vollbesetzung – habe ich mir jedenfalls geschworen: Wenn die Krümelkids in der Pubertät sind und am Sonntagmorgen ausschlafen wollen, müssen sie nieeeemals fürs Familienfrühstück aufstehen. Denn lieber entspannt gemeinsam zu Mittag essen als sich mit zwei unausgeschlafenen Teenagern übers Frühstücksei hinweg anzuschweigen. Ich hoffe, ich erinnere mich daran, wenn es soweit ist …

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