Entspannte VorweihnachtenEs geht wieder los. Es ist in vollem Gange. Kaum einer, der sich ihm entziehen könnte: Dem alljährlichen Weihnachts-Wettrüsten. Wer bastelt den originellsten Adventskalender? Die filigransten Strohsterne? Wer hat die üppigste Tannen-Deko? Oder die größten Baumkugeln? Gefühlt ist es doch so: Kaum zeigt der Kalender den 24. November an, brennen bei allen die Lichterketten durch. Der innere Weihachts-Countdown zählt unbarmherzig die Tage bis zum Fest herunter. Und der vielbeschworene Weihnachtszauber? Verliert sich irgendwo zwischen Terminstress, Keksbackorgien und dem verzweifelten Versuch, das passende Präsent für Onkel Olli zu finden. Früher war weniger Lametta. Und das meine ich durchaus im positiven Sinne.

Nehmen wir zum Beispiel meine Freundin B. In einem legendär-betriebsamen Jahr hatte B. es irgendwie verschlafen, ihr Tännchen termingerecht nach Dreikönig zu entsorgen. Kurz vor Ostern konnte man ihr Wohnzimmer nur noch unter Einhaltung strengster Sicherheitsauflagen betreten: „Keine Stöckelschuhe. Und nicht zu fest auftreten bitte! Sonst wirft der Baum noch seine letzten Nadeln ab.“ Doch mit etwas Haarspray und grüner Sprühfarbe war das Problem schnell behoben. Pünktlich zu Ostern präsentierte sich der Baum in frischem Grün mit handbemalten Eiern an den wiederhergestellten Zweigen. Völlig verrückt? Neee, intelligent improvisiert, würde ich sagen.

Denn mal ehrlich: Wer wagt es noch, bei der Weihnachtsplanung etwas dem Zufall zu überlassen? Der Tagesform? Oder dem Bauchgefühl? Bei einem Fest, dessen Vorboten schon ab Ende August in den Supermärkten präsent sind, fällt es – mir auch! – schwer, Dekoration, Menü oder Geschenkauswahl entspannt anzugehen. So schleppe ich schon seit Tagen die Gestaltung des alljährlichen Fotokalenders auf meiner To-Do-Liste mit mir herum. Statt den Moment zu genießen und meine innere Festplatte mit Bildern von meinen Lieben zu füllen.

Den Blick aufs Wesentliche im Weihnachts-Wirrwarr richtet jetzt eine Advents-Aktion im Kindergarten der Krümellady. Die Idee: Wir Eltern schreiben unseren Kindern einen Brief. Jeden Tag bekommt dann eines der Kinder seine ganz persönliche Weihnachts-Botschaft vorgelesen. Ein Geschenk, das individueller, treffender nicht sein könnte. Worte statt Wichteln. Gedanken, die bleiben, statt Geschenken, die morgen schon ausgedient haben. Der Brief an meine Tochter beginnt so:

Meine liebe Krümellady,

wusstest du eigentlich, dass du unsere schönste Weihnachtsüberraschung im Jahr 2011 warst? Eigentlich die schönste Weihnachtsüberraschung, die wir überhaupt jemals erhalten haben. Denn einen Tag vor Weihnachten habe ich zum ersten Mal dein Herz schlagen sehen. Du warst noch ganz klein, ein winziger, pulsierender Punkt auf dem Bildschirm bei meiner Ärztin. Aber schon damals warst du die ganz große Liebe von deinem Papa und von mir.  

Heute – fast vier Jahre nach diesem denkwürdigen Vormittag – bist du längst ein Kindergartenkind und schon „richtig groß gewachsen“, wie du selbst oft sagst. Vieles was dich schon als kleines Baby ausgezeichnet hat, ist auch heute noch charakteristisch für dich. […]

Was würdet ihr euren Liebsten aufs Papier schreiben? Welche Botschaft steckte in eurem Briefumschlag? Ich wünsche euch schon jetzt ein entspanntes Vorweihnachten. Vielleicht mit weniger Lametta vor der Nase. Aber ganz viel Glitzern im Herzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.