Flugreise mit zwei KleinkindernMan nehme eine enge Flugzeugsitzreihe. Ein quirliges Kleinkind. Einen Bronchitis-kranken und deshalb unleidigen Fast-Einjährigen. Und kombiniere dies mit einer Außen-Parkposition und einem längeren Wartehalt auf dem Rollfeld. Das klingt gruselig? War es auch. Ein bisschen zumindest. Diese Woche bin ich erstmals allein mit den Krümelkids geflogen. Ausgewählte Eindrücke aus meiner Flugreise mit zwei Kleinkindern.

Der Safety Check.

Die erste Hürde einer jeden Flugreise ist der Safety Check. Sicherlich unerlässlich für unser aller Sicherheit. Aber auch ungemein lästig. Drei Personen aus Winterjacken, Schals und Mützen schälen. Mitgebrachte Kinder-Getränke und Medikamente im Plastikbeutel vorzeigen. Kommentar der Security – „Das ist ein Drei-Liter-Beutel. Eigentlich ist nur ein Liter erlaubt.“ – mit einem flehentlichen Lächeln quittieren. Laptop aus dem Rucksack schälen. Gürtel ausziehen, Winterstiefel aufs Fließband legen. Sportwagen kleinmachen. Und ausräumen. Dabei feststellen, dass es gut gewesen wäre, die Tasche unter dem Sitz vorab zu checken …

Immerhin findet sich so noch das lange vermisste Lightning-McQueen-Spielzeugauto wieder, das eigentlich dem KiTa-Kumpel der Krümellady gehört. Davon ausgehen, dass mit dem „Bitte alles aus dem Wagen raus!“ der Sicherheitslady nicht auch noch der Fellsack gemeint ist. „Oh, ist er doch?!“ Mist, Mist, Mist. Fellsack mühevoll von Anschnallgurten fummeln und aus Sportwagen entfernen. Sportwagen zusammenklappen. Sportwagen wird auf Sprengstoff geprüft. Mit einer dieser kleinen weißen Karten. Meine Hände gleich mit. Ich wusste ja, dass Mütter gefährlich sind. Aber gleich so gefährlich?

Einziger Lichtblick auf dieser Station unserer Reise: Der Krümelmann konnte uns bis zum Security Check begleiten. Was äußerst hilfreich im Umgang mit der Krümellady ist. Denn die muss mittlerweile selbstständig den Sicherheitsscanner passieren. Und mag das auf keinen Fall tun, wenn nicht auf beiden Seiten des „unheimlichen“ Dings vertraute Personen bereitstehen, um sie wahlweise loszuschicken oder in Empfang zu nehmen. Eine Aufgabe, die ein Elternteil allein nicht lösen kann. Aufatmen, nachdem die kleine Lady den Scanner passieren konnte. Ohne Warnton. Und ohne größeres Geschrei.

Die Außenposition.

„Wir müssen mit dem Bus zum Flugzeug fahren.“ Freude bei der Krümellady. Langes Gesicht bei mir. Außen-Parkposition. Das bedeutet noch eine Hürde mehr, bevor wir endlich in unserer Sitzreihe angekommen sind. Denn mit Kinderwagen kann man die Rolltreppe zum Busstop nicht passieren. Sondern muss die Mitarbeiter am Gate bitten, den Aufzug aufzuschließen. Was diese aber in der Regel erst machen können, wenn alle anderen Passagiere schon durch die Einstiegsschleuse gegangen sind. Also erstmal warten. Und warten. Ewig tut sich nichts.

Die Krümellady wird ungeduldig: „Mamaaaaaa, wann sind wir dran?“ Die letzten Nachzügler werden ausgerufen. Dann muss plötzlich alles ganz schnell gehen. „Kommen sie, wir müssen weiter“, sagt die Dame am Gate während ich eilig Krümelkids, Kinderwagen und die Reste unseres Flughafenfrühstücks zusammenraffe. Dann: Rein in den Aufzug, raus aus dem Aufzug, als Letzte in den Bus steigen. Am Flugzeug angekommen muss ich den Kinderwagen zusammenlegen, zum gefühlt zehnten Mal an diesem Tag … Also den Krümellord kurzerhand dem Mann mit der gelben Warnweste in die Hand gedrückt. Gut, dass der Lord fast nicht fremdelt. Und der Mann mit der gelben Weste so nett ist: „Wie alt ist er?“, fragt er mich fast ehrfurchtig nachdem er mein Baby auch noch die Gangway hochgeschleppt hat. „11 Monate.“ „Oh, ich habe auch einen Sohn. Aber der ist schon sechs“, sagt er und grinst.

Die Lebensmittelversorgung.

Merke: Auf einer Flugreise kann man niemals genug Essen im Gepäck haben. Also: Niemals ablehnen, wenn die Stewardess dich fragt, ob du noch einen Schoko-Müsliriegel extra haben möchtest! Selbst, wenn du die Hände mit Sohnemann, Schals und Winterjacken voll hast. Essen ablehnen ist ein Kardinalfehler. Weil dich deine Tochter den ganzen Flug über fragen wird, wo denn der andere Müsliriegel geblieben sei. Und weil sie sich auch durch ein eiligst hervorgeholtes Früchte-Quetschie und die Tierkeks-Klassiker aus der pinken Herzdose nicht von ihrem eigentlichen Objekt der Begierde ablenken lassen wird … Erst die Gummibärchen beim Ausstieg können den Verlust des Müsliriegels einigermaßen kompensieren.

Und die Getränke? Bei denen gibt es eigentlich nur eine Regel: Niemals etwas anderes als Wasser bei der freundlichen Stewardess bestellen! Weil einer der Plastikbecher immer umgestoßen wird. Und wenn euch doch nach einem Tomatensaft oder dem obligatorischen Koffein-Kick gelüstet? Dann den Becher am besten auf der Stelle austrinken und wieder mitgeben. Ist zwar unhöflich, spart euch aber jede Menge Ärger und den Einsatz zahlreicher Feuchttücher.

Das Board Entertainment.

Nein, Business-Flieger sind keine spaßbefreiten Kinderhasser. Dieses Vorurteil hat mein Flugerlebnis zu früher Morgenstunde definitiv entkräftet. Denn obwohl der husten-geplagte Krümellord immer wieder laut vernehmlich meckerte, hat unser Reise-Trio vor allem aufmunternde und freundliche Blicke geerntet. Und auch Schnuller oder Fläschchendeckel, die mein Baby drei Meter über den Gang schleuderte, wurden uns geduldig wieder zurückgereicht.

Weniger aufwendig beschäftigen ließ sich glücklicherweise die Krümellady. Mit dieser zauberhaften Oh-wie-schön-ist-Panama-App, jüngst vorgestellt und entdeckt auf dem wunderbaren Blog von Meine Svenja. Unschlagbar auch die nette alte Dame in der Reihe hinter uns, die von der Krümellady im schönsten Plauderton in die Zange genommen wurde: „Mein Opa holt mich am Flughafen ab.“ – „Oh, toll!“ – „Und wo ist DEIN Opa?“

Die Nach-Landungs-Logistik.

Nein, „Delivery at Aircraft“ heißt eben nicht, dass der Kinderwagen gleich nach Verlassen des Flugzeugs wieder bereit stünde. Schon das entschuldigende Lächeln der Purserin, wenn du (natürlich als Letzte) gen Ausgang marschierst, verheißt nichts Gutes. Und tatsächlich: „Ihr Kinderwagen war leider zu groß. Sie müssen ihn beim Sperrgepäck abholen.“ Also mit Baby auf dem Arm, Rucksack auf dem Rücken, Kinderrucksack am einen Handgelenk und Krümellady am anderen durch den Flughafen getrabt. Gepäckband samt Koffern gefunden. Aber wo ist jetzt der Kinderwagen? Sperrgepäck? Sperrgepäck! Aus Ermangelung an Transportmöglichkeiten und entgegen aller Vorschriften („Bitte lassen sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt.“) Koffer stehen gelassen und mit Kindern zum Sperrgepäckschalter gehechtet. Fangfrage: Wie viele Hände benötigt man, um zwei große Koffer, einen Kinderwagen mit Baby und ein Kleinkind sicher aus dem Terminal zu bugsieren? Richtig! In jedem Fall mehr als ein Paar.

Also durfte die Krümellady ans Ruder des Kinderwagens. Schieben kann sie schon. Zumindest, wenn es stur geradeaus geht. Für das Lenken war ich dann zuständig. Wie unsere kleine Karawane ausgesehen hat, als wir so durch den Flughafen schlichen, dürft ihr euch jetzt selber ausmalen. Jaaa, als Eltern kann man eben nicht immer bella figura machen … Erwähnenswert war in jedem Fall noch der nette Sicherheitsbeamte, der meine Kinder, die Koffer und mich sicher in den Aufzug zur Ausgangsebene bugsierte. Und natürlich der Krümel-Opa, der uns gleich hinter dem Sicherheitsbereich in Empfang nahm.

Würde ich es wieder tun? Auf Flugreise mit zwei Kleinkindern gehen? Definitiv ja. Denn was sind schon zwei, drei Stündchen Flugstress gegen die doppelte Zeit auf der Autobahn? Eben. War doch gar nicht so schlimm. Oder hat sich jemand beschwert? Wir machen jetzt erst einmal Urlaub bei den Großeltern. Und sammeln Kräfte für den Rückflug – den wir glückerweise wieder zu Viert antreten dürfen. In diesem Sinne: Habt eine ruhige Vorweihnachtswoche!

2 comments on “We wish you a pleasant stay on board: Allein auf Flugreise mit zwei Kleinkindern.”

    • Absolut! Das passte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wir waren sehr begeistert von deiner tollen Empfehlung 🙂 und überhaupt der ganzen Mixtvision-Reihe.

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