KarnevalIhr Lieben, an Tagen wie diesen bin ich ein bisschen melancholisch. Zumindest die Rheinländerin in mir. Denn es ist Karneval, pardon, Fasching, wie man hier in Bayern zu sagen pflegt. Und nicht nur beim Namen musste ich umdenken: Auch die Art zu feiern ist anders seit ich im Süden lebe. Und seit ich Kinder habe. Vergleiche sind ein bisschen gemein. Weil es vermeintliche Gewinner und Verlierer gibt. Aber sei’s drum: Hier kommt Karneval – wie ich ihn in meiner Kindheit und Jugend (meist) gefeiert habe und wie ich das heute tue.

  • Früher saß ich häufig schon um 9.00 Uhr mit einer bestens aufgelegten Mädelstruppe im Zug gen Köln.
  • Heute beginnt das Feiern nach Feierabend. Und ist an ein paar „wenns“ geknüpft: Wenn die Kinder im Bett sind. Wenn der Mann es rechtzeitig nach Hause schafft. Und wenn mein Energiepegel dann noch ausreicht, für den Weg in die örtliche Kneipe … Aber ich kann euch beruhigen: Hat er – zumindest am gestrigen Weiberfastnacht.
  • Früher wusste ich schon Tage vorher, welches Kostüm ich anziehen würde.
  • Heute weiß ich schon Tage vorher, welches Kostüm die Krümellady tragen wird
  • Meine Tochter hat ihre Schmetterlingsflügel mit Glitzersteinen (!) schon x-mal probegetragen, bevor es richtig los geht.
  • Ich habe nix probegetragen. Sondern bin ich froh, wenn ich noch einen halbwegs lustigen Kopfschmuck aus der Verkleidungskiste ziehe. Und die Last-Minute-Kriegsbemalung einigermaßen gelingt.
  • Früher konnte ich nicht genug köstliche Mutzenmandeln essen.
  • Heute beiße ich ersatzweise in die hiesigen Krapfen (Achtung, im Rheinland heißen die Berliner.). Weil ich es immer noch nicht geschafft habe, dieses Mutzenmandel-Rezept von „Bis einer heult“-Bloggerin Pia auszuprobieren.
  • Früher waren alle um mich herum verkleidet. Auf der Straße, im Büro, an der Supermarktkasse und in der Arztpraxis.
  • Heute sind alle Mädels, mit denen ich gefeiert habe, verkleidet. Und der Rest der Kneipenbesucher staunt bei Schweinsbraten und Serviettenknödeln über die laute, bunte Truppe.
  • Früher waren wir den ganzen Tag op jück (unterwegs) – auf den Kölner Ringen oder in der Bonner Altstadt.
  • Heute bin ich anders op jück als früher: Zum Kindergarten. Zur Krabbelgruppe. Zum Einkaufen. Wieder zurück zum Kindergarten. Auf den verschneiten Spielplatz. Ihr wisst schon …
  • Früher ging’s mit kölschen Tönen durch den Tag: von „Echte Fründe“ über „Superjeilezick“ bis zur Lokalhymne “Hey Kölle! Du bes e Jeföhl“. Verstanden habe ich den rheinischen Dialekt meist, nur textsicher war ich nicht immer.
  • Heute setzen die Bayern zum Fasching auf Austro-Pop, in diesem Jahr gerne „Ham kummst“, den ich hier schon einmal vorgestellt habe. Und ja, ich musste den Text tatsächlich erst einmal lesen, um ihn zu verstehen.
  • Früher bestand meine Regeneration nach 20-Stunden-Karnevalsmarathon aus Cola und Salami-Brötchen.
  • Heute brauche ich schon nach vier Stunden Kneipenabend drei Tage und mindestens ebensoviele Fruchtsmoothies, um zu meiner gewohnten Form zurückzufinden.

Aber bevor ihr jetzt sagt: Früher war’n mehr Pailetten! Noch dieser Gedanke: Die wirklich wichtigen Dinge im Leben passieren im Jetzt. Und sind gut, wie sie sind, denn …

  • Früher wurde jebützt was das Zeug hielt. Ob man wollte oder nicht.
  • Heute kriege ich die süßesten Bützche der Welt. Von meinen Kindern. Und natürlich vom Krümelmann 😉

So und jetzt gönne ich uns ein bisschen Rheinland-Heimweh-Musik. Denn wie Cat Ballou wissen: Für Sehnsucht gibt es keine Worte oder „Et jitt kei Wood“ …

Und weil dieser Post mit einem Lächeln enden soll, gibt’s hier noch eine brandneue und humorvolle Variation eines uralten Themas: die traditionelle Köln-Düsseldorfer-F(r)eindschaft und die Frage nach „Helau“ oder Alaaf“? So wie bei Komikerin Carolin Kebekus habt ihr Adeles Superhit „Hello“ garantiert noch nie gehört. Viel Spaß beim Feiern!

2 comments on “Früher war’n mehr Pailletten, oder nicht? Über Karneval, äh, Fasching.”

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