Spazierengehen mit KleinkindernIhr Lieben, wenn’s ums Spazierengehen geht, wird meine Große kreativ. Zumindest im Erfinden von Gründen, die gegen eine längere Laufstrecke an der frischen Luft sprechen: „Mama, ich kann nicht mehr!“, höre ich oft schon wenige Meter nachdem wir das Haus verlassen haben. Gerne auch: „Meine Beine tun mir weh!“ Oder – als letztes Mittel, um uns Erwachsene ultimativ zu beeindrucken: „Ich hab’ Bauchschmerzen, Mama!“ Doch was steckt hinter der kindlichen Abneigung gegen den Spaziergang? Und wie können wir Miss Lauffaul und Mister Wegverweigerer auf spielerische Art und Weise „Beine machen“? Sieben Motivationshilfen fürs Spazierengehen mit Kleinkindern.

Um unseren Kindern gerecht zu werden, vorweg dies: Das „Ich-kann-nicht-mehr“-Phänomen beim Spazierengehen mit Kleinkindern hat tatsächlich echte körperliche Ursachen. Denn natürlich muss der Nachwuchs mehr Schritte machen, um die gleiche Wegstrecke zurückzulegen wie wir. Ergo: Krümellady und Co. benötigen mehr Energie und ermüden tatsächlich schneller als wir, die wir vielleicht gerade erst richtig in den „Flow“ kommen. Ein US-Forscherteam hat sich sogar in einer eignen Studie mit diesem Effekt beschäftigt.

Ob wir Kleinkinder für Spaziergänge begeistern können, hängt jedoch nicht nur davon ab, ob wir ein ihrer Kondition und Beinlänge angepasstes Tempo vorlegen. Es ist natürlich auch absolute Motivationssache. Das musste ich einmal mehr feststellen, als wir in den vergangenen zwei Wochen zu Besuch bei Super-Oma und Super-Opa – Danke!!! Ihr wisst schon wofür 😉 – im Rheinland waren. Kaum ein „Och nööö …“ oder „Ich mag nicht …“ kam der Krümellady über die Lippen, wenn’s ans Schuhe anziehen ging. Vielmehr freute sie sich stets auf ein angekündigtes Highlight, etwa den Besuch bei einem Trampolin, einen Ausflug auf den Spielplatz oder die Aussicht, Moos für ein selbstgebautes Hasennest zu sammeln. Note to myself: Wer ein Ziel vor Augen hat, scheut sich auch nicht vor der Wegstrecke. Was mich auch gleich zu meiner ersten Motivationshilfe fürs Spazierengehen mit Kleinkindern bringt …

1) Der Weg ist das Ziel? Nein! Das Ziel ist das Ziel.

Wer Kleinkinder mit der Aufforderung „Nun lasst uns mal an die frische Luft gehen. Es ist so schönes Wetter draußen.“ zum Aufbruch motivieren will, kann am besten gleich auf der Couch hocken bleiben. Denn mal ehrlich: So ein lahmer Spruch hat uns selbst als Kind auch allenfalls ein müdes Lächeln entlockt. Besser ist es, ein kindgerechtes, fußläufig erreichbares Ausflugsziel anzukündigen. Dass ein Spaziergang nötig ist, um den Bestimmungsort zu erreichen? Geschenkt! Attraktiv beim Spazierengehen mit Kleinkindern sind zum Beispiel: die örtliche Eisdiele, ein spannender Spielplatz wie zum Beispiel dieser, das Haus eines Freundes/einer Freundin, ein Badesee oder Schwimmbad, der Rodelhügel, ein Minigolf-Platz. Ihr versteht das Prinzip …

2) Beim Spazieren geht es nicht ums Gehen. Sondern ums Erleben.

Für uns Erwachsene verspricht ein Spaziergang vor allem Bewegung, Entspannung oder ein schönes Landschaftserlebnis. Kinder erwarten sich hingegen Aktion, Abenteuer, kurzum: eine rundum spannende Draußen-Aktivität. Klassische „Spaziergänge“ in diesem Sinne sind ein Besuch im Zoo oder Tierpark, der Gang durch einen Märchenwald oder über den Trimm-dich-Pfad, die Fahrt mit einer Gondel/Seilbahn/Eisenbahn, der Aufstieg auf einen Aussichtsturm oder Berggipfel und – wenn es sein muss – natürlich auch der Besuch im Freizeitpark. Wer nicht auf vorgegebenen Pfaden wandeln will, kann selbst kreativ werden: Wie wäre es mit einer Schnitzeljagd durch den örtlichen Stadtpark? Um das Ganze überschaubar in der Vorbereitung zu halten, können sich die willigen Spaziergänger in eine Fährtenleger- und eine Verfolger-Gruppe aufteilen. Ebenfalls beliebt sind alle Arten von (Schatz-)Suchen: Wer findet die meisten Schneckenhäuser auf dem Weg? Wer entdeckt als Erster alle roten Autos auf der Strecke? Wer sieht einen vierblättrigen Glücksklee in der Wiese? Eltern, die sich in Flora und Fauna auskennen, nehmen den Nachwuchs mit zum Pilze suchen – liegt schließlich wieder voll im Trend! Oder motivieren zum Budenbauen im Unterholz.

3) Feste und Feiertage? Haben immer Saison!

Schon mal auf den Spuren des Nikolaus gewandelt? Oder beim Halloween-Spaziergang mit Gruselgeschichten für Gänsehaut gesorgt? Feste und Feiertage sind im inneren Terminplan unserer Kinder verankert. Und ein willkommener Anlass, um laaaangweiligen Spaziergängen einen interessanten Twist zu verleihen. Der Klassiker: Die Ostereiersuche nach draußen verlagern und entlang des Weges unauffällig Schokoeier ausstreuen. Geht am besten, wenn man mit mindestens zwei Erwachsenen unterwegs ist. So kann einer den Nachwuchs ablenken und der andere im Auftrag des Osterhasen Süßes aussähen. Aber auch das Sammeln von Naturmaterialien kann spannend sein: Ob Moos fürs Osternest, Tannenzapfen für die Weihnachtskrippe, Kastanien zum Männchen-Basteln im Herbst oder Erdbeeren vom Feld für den Sommerkuchen: Kinder lieben es, eine Aufgabe zu haben und den Erwachsenen zu „helfen“ – am besten mit einem eigenen Körbchen in der Hand. Wer viel Fantasie hat (siehe oben), kann Tradition und Kontemplation mit einer passenden Geschichte verbinden: Wieso nicht mal gemeinsam erkunden, auf welchen Wegen sich das Christkind eurem Haus nähert? Was mich schon zu meinem nächsten Punkt bringt …

4) Storytelling: Funktioniert nicht nur im Marketing …

Storytelling ist in aller Munde: Jedes Unternehmen will seine eigene Story schreiben und bindet seine Produkte dazu in eingängige, emotionale und deshalb äußerst publikumswirksame Geschichten ein – hier erfolgreiche Beispiele. Auf ähnliche Weise „verkauft“ ihr dem Nachwuchs den gepflegten Nachmittagsspaziergang. Wer wohl in dem schönen roten Haus am Wäldchen wohnt? Denkt euch gemeinsam mit den Süßen ein fiktives Leben der Bewohner aus. Woher kommt der Name auf dem Straßenschild? Erklärt euren Kindern, nach welcher Berühmtheit die Mozartstraße benannt wurde. Oder ihr nehmt gleich eure gesamte Laufstrecke und erlebt sie aus der Perspektive einer erdachten Figur: „Patty, die bunt-gefleckte Promenadenmischung, sehnte sich nach einem Freund. Und so riß er eines schönen Frühlingstages – die Luft roch nach frisch gewaschener Wäsche – von zu Hause aus. Zuerst trabte Patty die Pappelallee entlang …“

5) Penny Walks: Dem Zufall die Zügel in die Hand geben.

Kopf oder Zahl? Das ist die alles entscheidende Frage bei einem sogenannten Penny Walk, übrigens hier schon einmal erwähnt. Denn an jeder Kreuzung entscheidet der Wurf einer Cent-Münze (englisch: penny), welcher Straße ihr folgt. Die Idee dahinter: Ausgetretene Pfade verlassen, neue Ecken im altvertrauten Viertel entdecken. Spazierengehen mit Kleinkindern mal anders. Denn mal ehrlich: Wer den Zufall über den Weg entscheiden lässt, kann sich ganz auf seine Umgebung und seine (kleinen) Begleiter konzentrieren. Eure Kinder werden zwei Dinge lieben: Erstens, die Münze zu werfen. Und zweitens, ihren Eltern auf diese Weise den Weg vorzugeben. Ein Beispiel und eine genaue Beschreibung des Prinzips Penny Walk findet ihr bei der wunderbaren Joanna Goddard.

6) Pausen machen, Langsamkeit leben.

Sobald meine Tochter unterwegs eine schöne Bank sieht, sagt sie: „Mama, können wir uns hinsetzen und ein Picknick machen?!“ An schlechten Tagen schiele ich genervt auf meine Uhr ob dieses Wunsches. Aber an guten Tagen kann ich mich auf mein Kind einlassen, das so ganz im Hier und Jetzt lebt. Für sie lässt die Kombination „schöne Bank“ + „gutes Wetter“ + „interessante Aussicht“ + „leichtes Hungergefühl“ nur einen Schluss zu: Wir müssen rasten! Für mich als Erwachsene, die oft genug das Gefühl hat, gar nicht so schnell laufen zu können, wie die Uhren ticken, ist dieser ungeplante Stop oft heilsam. Denn was gibt es Schöneres als innezuhalten, den Moment zu genießen, einen kleinen Snack zu knabbern und Akkus aufzuladen? Merke: Für Kinder ist der mentale Aspekt einer Rast („Endlich Ablenkung vom Spaziergang!“) sogar häufig noch wichtiger ist als der körperliche („Endlich Brotzeit!“).

7) Wenn gar nichts mehr geht: Spazierwegs-Klassiker.

Ihr habt den falschen Abzweig genommen und der Ausflug zieht sich – besonders für die Kinder? Oder der Nachwuchs ist schlichtweg müde und quengelig? Dann gibt’s nur noch eins: Lasst den Club-Animateur in euch raus und wählt unter den Evergreens der Motivationshilfen diejenige Methode aus, die ihr selbst grad am ehesten noch ertragen könnt. Da wären: Wettrennen anzetteln („Wer als erstes an der nächsten Straßenecke ist!“); Wegmarkierungen aka Kreidepfeile zeichnen; Knallerbsen werfen; auf Mäuerchen balancieren; im Storchengang, mit Hasenhüpfern oder Elefantenschritten vorwärtsbewegen (also die Kinder, nicht ihr!!!) oder im Gleichschritt des alten Bewegungsspiels „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“ voranschreiten. Und wenn alle Stricke bzw. kindliche Geduldsfäden reißen? Dann muss eben doch fürs Erste Papas starker Rücken herhalten.

In diesem Sinne: Lasst euch nicht aufhalten! Und genießt das Wochenende und das Spazierengehen mit Kleinkindern 🙂

2 comments on “Nehmt die Beine in die Hand! Sieben Motivationshilfen fürs Spazierengehen mit Kleinkindern.”

  1. Super! Am Besten diesen Artikel als PDF auf das Smartphone ziehen und spicken, wenn’s eng wird. Danke Krümelmoster! Schöne Grüße Hannes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.