Als Expats in FinnlandVom Rhein an die Ostsee, vom Teilzeit-Familienleben in Düsseldorf in die Expat-Community der finnischen Stadt Espoo. Vor einem Jahr standen bei Yvonne und ihrer Familie die Umzugswagen vor der Türe. Als Yvonnes Mann die Chance bekam, als Expat in Helsinki zu arbeiten, entschied sich die Personalerin bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, zwei Jahre Elternzeit zu nehmen. Mit Sack und Pack und den zwei Kindern startete die Familie ins Abenteuer Auslandsaufenthalt. Wie das Leben als Expats in Finnland mit Mittsommernacht und Lachsliebhabern, aber auch zweistelligen Minusgraden im Winter und Spaziergängen auf der zugefrorenen Ostsee aussieht – davon erzählt uns Yvonne in einer Mini-Serie hier auf dem Blog. Heute erfahrt ihr, wie die Familie ihren Umzug vorbereitete und ein neues Zuhause in Finnland fand.

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Als mein Mann mir im Jahr 2012 berichtete, dass sein Arbeitgeber von einem finnischen Unternehmen aufgekauft werden sollte, dachte ich mir noch nichts dabei. Heutzutage finden doch ständig Unternehmenskäufe und -verkäufe statt und mobiles Arbeiten ist Standard. Zuerst gab es keine wesentlichen Veränderungen: Mein Mann verbrachte den einen oder anderen Tag in Helsinki. Das hat den Tagesablauf von den Kindern und mir allerdings im Prinzip nicht verändert, denn unter der Woche war mit ihm abends ohnehin erst spät zu rechnen. Aber dann wurden wir doch eingeholt. Nach dem beruflichen Aufstieg (Toll, wir haben uns sehr gefreut – endlich die Belohnung für all den Einsatz!) kamen mehr und mehr Geschäftsreisen nach Finnland und schließlich war der Papa regelmäßig von Montag bis Donnerstag/Freitag nicht zu Hause.

Für mich in Deutschland bedeutete das, irgendwie Job (50% Teilzeit) und zwei kleine Kinder (damals gerade 2 und 4 Jahre alt) unter einen Hut zu bekommen. Jede berufstätige Mutter weiß, was dies an Planungsaufwand bedeutet – vor allem, wenn leider keine Verwandtschaft in der Nähe ist, die „mal kurz einspringen“ könnte, wenn die Kinder krank sind oder eine Geschäftsreise ansteht oder man einfach nicht aus dem Büro heraus kommt. Von eigenen Krankheiten möchte ich gar nicht sprechen. So etwas existiert quasi gar nicht.

Als Expats in Finnland
Beste Aussichten: Blick auf Helsinkis Innenstadt.

Auf „look and see“-Tour durchs nasskalte Helsinki.

Eigentlich hätte ich mir nie vorstellen können, nach Finnland umzuziehen. Wenn man an einen beruflichen Auslandsaufenthalt denkt, stellt man sich tolle große Städte wie New York, London, Singapur oder vielleicht auch warme Länder wie Südafrika, Brasilien oder Australien vor. Finnland? Nein, viel zu kalt und zu dunkel – beziehungsweise im Sommer ist es nachts ja viel zu hell! Nun ja, die Schmerzgrenze sinkt mit der Zeit und als dann doch ein Expat-Aufenthalt ins Gespräch kam, war ich zumindest bereit, darüber nachzudenken. Für vier Tage reiste ich nach Helsinki, zu einem sogenannten „look and see trip“. Dieser fand im November statt und die Kollegen meines Mannes sagten zu ihm: „Wenn es ihr JETZT gefällt, dann kann es nur gut werden.“ Allerdings: Der November fühlt sich in Helsinki ähnlich nasskalt und dunkel an wie in Deutschland.

Als Mutter steht man häufig zwischen den Stühlen: Einerseits wollte ich für die Kinder da sein, andererseits aber auch nicht den Anschluss an das Berufsleben verlieren. Die deutsche Gesetzgebung kam mir in unserem Fall sehr entgegen, denn ich hatte noch zwei Jahre Elternzeit „übrig“. Als wir dann noch einige persönliche Fragen – z.B. Werden wir zur Einschulung des Großen zurück sein? – geklärt hatten, fiel die Entscheidung, als Expats in Finnland zu leben, recht schnell. Zwischen Entschluss und Umzug lagen gerade einmal drei Monate (Ende Januar bis April).

Englisch statt Finnisch: Auf KiTa-Suche in Espoo.

Natürlich machte ich mir auch viele Gedanken um die Kinder. Vor allem, weil wir drei Jahre zuvor erst von München nach Düsseldorf gezogen waren und der „Große“ schon zwei KiTa-Wechsel erfolgreich hinter sich gebracht hatte. Sollte sich jemand mit diesem Gedanken beschäftigen, es gibt prima Bücher, die Familien ermutigen und durch alle Phasen einer Entsendung/Versetzung begleiten, von der Umzugsvorbereitung bis zur Rückkehr. Meine persönlichen Favoriten sind „Andere Länder, andere Kinder. Dein Auslandsumzug mit Ori.“ und „Third Culture Kids: Aufwachsen in mehreren Kulturen.“

Letztendlich dachten wir uns … wenn nicht jetzt, wann dann? Je jünger die Kinder, desto einfacher. Außerdem würde der Auslandsaufenthalt als Expats in Finnland bis zur Einschulung unseres Sohnes abgeschlossen sein, wir wären rechtzeitig wieder zurück in Deutschland. Und wie der Zufall so will … die Frau eines Kollegen hatte gerade eine internationale KiTa eröffnet und es waren noch Plätze frei. Wir haben uns sehr bewusst für die englische Sprache entschieden. Denn Deutsch beherrschen beide Kids fließend und Finnisch braucht kein Mensch 😉 Auch wenn das die Eingewöhnung sicherlich etwas schwieriger machen würde, wir wollten die Chance nutzen und den Kindern die englische Sprache nahe bringen (lassen). Zumal uns vorab von allen Seiten bestätigt wurde, dass man auch in Finnland im Alltag überall mit Englisch zurecht kommt und nicht unbedingt Finnisch können muss.

Ein weiterer Zufall war, dass in unserem Ort eine Familie lebte, die einige Jahre früher auch mit kleinen Kindern in Finnland war. Wahrscheinlich hätten wir uns sonst nie kennengelernt, aber natürlich konnte ich mir so schon vorab ein paar Tipps von Mutter zu Mutter geben lassen. Und wenn wir schon bei Zufällen sind: Über zwei Ecken kam ich in Kontakt zu einer deutschen Familie, die gerade ein Jahr vorher mit zwei Kleinkindern nach Finnland gezogen war. Genial! Natürlich habe ich auch diese Mami vorab mit Fragen bombardiert (und wir sehen uns heute noch regelmäßig).

Als Expats in Finnland
Ankunft im „neuen Leben“: erste Einfahrt mit der Fähre in den Schären von Helsinki.

Digitaler Umzugshelfer: Immobiliensuche per Internet.

Dann ging es recht schnell los mit den Umzugsvorbereitungen: Bei der Haussuche konnte ich nicht persönlich dabei sein. Aber mein Mann hatte unser Haus in Düsseldorf auch schon alleine ausgewählt, da hatte ich also vollstes Vertrauen. Und in Finnland gibt es eine tolle Website (Achtung, nur auf Finnisch!), die auf einer Landkarte die Häuser/Wohnungen nach ausgewählten Kriterien anzeigt. Ich persönlich habe diese Art der Suche als sehr angenehm empfunden, weil wir natürlich nahe bei der Arbeit sowie KiTa wohnen wollten und so auf einen Blick sehen konnten, ob ein Objekt in Frage kam. Da können sich die deutschen Anbieter etwas abschauen was Userfreundlichkeit angeht.

Ein Relocation Service vereinbarte Besichtigungstermine für uns und kutschierte meinen Mann von Haus zu Haus. Was wir allerdings nicht erwartet hatten, war die durchgehend schlechte Qualität der Häuser. In einem Land, in dem noch ein „richtiger“ Winter mit eisiger Kälte und Schnee herrscht, hätte ich sehr gute Fenster und eine hervorragende Dämmung erwartet. Aber davon war nichts zu sehen: maximal Doppelglas und die Wände machten einen sehr dünnen Eindruck. Naja, wir haben dann gelernt, dass Energie tatsächlich eines der wenigen Produkte ist, welches in Finnland günstiger ist als in Deutschland. Außerdem gibt es in jedem Haus eine Sauna.

Expats in Finnland: Ein Abschied – aber nicht für immer.

Der Relocation Service half uns auch mit den Formalitäten, die wir vorab erledigen mussten, und ehe wir uns versahen, befanden wir uns schon mitten im Abschiedstrubel. Das ist schon ein komisches Gefühl: Man möchte jeden nochmal sehen und schiebt den endgültigen Abschied immer vor sich her. Aber der Vertrag war auf zwei Jahre ausgelegt, also kein Abschied für immer. Das machte es wirklich leichter.

Kurz bevor der Umzugswagen anrollte, bin ich mit den Kindern für zwei Wochen zu meinen Eltern gefahren. Mein Mann hat dann die Koordination übernommen und auch unser Auto mit der Fähre über die Ostsee nach Finnland gebracht. Bis wir in unserem neuen Zuhause ankamen, waren fast alle unsere Möbel aufgebaut und die Spielsachen griffbereit. Diese Strategie war super! Die Kinder haben zu diesem Zeitpunkt noch nicht realisieren können, was dieser Umzug wirklich bedeutet. Das kam erst später, als unser Leben als Expats in Finnland richtig begann.

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In ihrem nächsten Post berichtet Yvonne, wie die Familie erste (sprachliche) Hürden in der neuen Heimat genommen hat und wie die Eingewöhnung in KiGa und Vorschule lief. Und ihr: Plant ihr auch einen beruflichen Auslandsaufenthalt oder habt ihr Erfahrungen als Expats in Finnland gesammelt? In jedem Fall wünsche ich euch noch einen sonnigen Feiertag heute!

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