DankbarkeitEs gibt Tage, an denen bin ich einfach nur dankbar. Froh und dankbar, dass ein Thema, welches uns seit dem Jahreswechsel begleitet, seiner Lösung ein gutes Stück näher gekommen ist. Erleichtert darüber, eine augenscheinlich richtige Entscheidung für mein Kind getroffen zu haben – auch wenn in den meisten Fällen erst die Zeit zeigt, was richtig und falsch, treffend oder daneben war. Ich bin glücklich, eine tolle Familie und großartige Freunde zu haben, die Anteil nehmen. Die Nachrichten schicken, kleine Geschenke, die anrufen und WhatsAppen, um zu hören, ob es uns – und vor allem den Krümelkids – gut geht. Mein Gefühl der Woche: Dankbarkeit!

Aber der Reihe nach: Die Krümellady musste für eine Operation ins Krankenhaus. Ambulant. Nichts Dramatisches, Gefährliches oder gar Ungewöhnliches. Kein Notfall. Alles geplant. Und dennoch … Unter Vollnarkose. Und mit dem komischen Gefühl, was wäre, wenn … Wenn eines dieser Themen auf dem Aufklärungsbogen tatsächlich relevant würde? Nervenschäden und Lähmungen. Atembeschwerden und Kreislaufreaktionen. Natürlich, der Krümelmann hat recht, wenn er sagt: „Mach dich nicht verrückt. Du liest dir doch auch nicht den Beipackzettel von Medikamenten komplett durch.“ Aber ich kann nicht anders. Gedanken, die kreisen. Immer wieder um das gleiche.

Jetzt endlich stoppt der Kreisel. Alles ist gut gelaufen! Ich fühle Erleichterung und Dankbarkeit – denn meinem Kind geht es prächtig. Heute beim Metzger hat sie in gewohnter Vielfraß-Manier auf ihre Wiener Wurst bestanden. Und den ersten Post-OP-Wutanfall haben wir auch hinter uns gebracht: Warum habe ich ihr auch die Schuhe nicht fest genug gebunden? 😉 Alles in allem also: Back to normal.

Dankbarkeit, ihre Hand zu halten.

Und dennoch hat uns diese Woche daran erinnert, dass es Tage gibt, die außerhalb des Normalen liegen. An denen die kleinen Dinge die größte Bedeutung haben: Die Hand meiner Tochter zu halten, zum Beispiel. Weil sie sich nur so geborgen fühlt in einer ihr fremden Umgebung. Ihre schweißnassen Haare aus der Stirn zu streichen. Meinen sorgenvollen Blick immer wieder auf den Monitor über ihrem Bett zu richten. Die tanzende Zahl, welche die Sauerstoffsättigung ihres Bluts beschreibt. Den Schlaf der kleinen Lady zu bewachen. Die kleinsten Regungen in ihrem perfekten Kindergesicht zu betrachten. „Conny geht in den Zoo“ vorzulesen. Und zwar so oft, dass ich es beinah auswendig mitsprechen kann.

Neben all den lieben Worten, Geschenken und kleinen Aufmunterungen für die Krümellady (Danke, ihr Lieben!) haben mich zwei Begegnungen in den letzten Tagen besonders berührt: Die alte Dame, die gelegentlich die Krümelkids babysittet, hat der Lady einen Brief geschrieben: „Ich leihe dir meinen Schutzengel“, stand darin. „Er soll dich behüten solange du operiert wirst. Wenn du fertig bist, fliegt er wieder zu mir zurück.“ Was für ein schönes Bild sie für mein Kind gezeichnet hat! Und dann der Anästhesist bei der Narkosevorbesprechung. Der auf meinen etwas provokanten Halbsatz „Na ja, für sie ist das ja Alltagsgeschäft.“ erwiderte: „Nein, das stimmt nicht. Kinder sind für uns nie Routine.“ Es tat gut, das zu hören!

Leslie Jamison über Empathie.

Denn Routine oder routiniert abgespulte Platitüden sind das Gegenteil von Empathie. Wie Leslie Jamison, deren großartige Essay-Sammlung „The Empathy Exams“ ich hier schon einmal vorgestellt habe, sinngemäß schreibt: Empathie ist nicht, zu sagen: „Oh, das stelle ich mir aber hart vor.“ Nein! Empathie ist: Fragen zu stellen. Wirklich wissen zu wollen, wie es um den anderen bestellt ist. Den Einzelfall zu sehen ohne zu verallgemeinern. Schwierige Themen ans Licht zu bringen. Themen, die so endlich gesehen werden können – vom Fragenden, doch genauso gut vom Befragten selbst.

Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl, ihr Lieben! Ich bin froh, es hier mit euch zu teilen. Und jetzt verratet mir: Wofür seid ihr in dieser Woche dankbar?

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