rosarote Mama-BrilleIhr Lieben, als Mama hat man es manchmal nicht leicht: Gerade noch die Küche aufgeräumt, da fischt der Krümellord den Couscous aus der Ausziehschublade und schwubs, sind die winzigen Kügelchen überall. Und wenn ich sage überall, dann meine ich: In jeder Ritze eurer Küche, auch in solchen, die ihr vorher noch nie wahrgenommen habt. Oh Lord! Mein erster Impuls: Ärger. Was haben diese neugierigen kleinen Hände auch in meiner Schublade zu suchen?! Aber dann: Dann sehe ich plötzlich das überraschte Schelmengesicht meines Sohnes. Höre sein erstauntes „Oh-oh“. Kann beobachten wie sein Mund das perfekte Oooo formt, das er spricht. Rums, die rosarote Mama-Brille sitzt auf der Nase. Und lässt mich den Blick auf das richten, was wirklich zählt: ein kleines Kind, das seine Umwelt mit allen Sinnen entdeckt.

Manchmal denke ich, ich würde die Verrücktheiten meines Mamaversums gar nicht überleben, hätte ich nicht meine rosarote Mama-Brille griffbereit. Denn mal ehrlich, im Zusammenleben mit Kindern gehen doch täglich tausend kleine oder auch große Dinge schief: Wenn der Krümellord zum zehnten Mal an diesem Vormittag auf unseren Esstisch klettert und ausprobiert, ob die schöne Tobias Grau Lampe darüber auch als Liane taugt. Wenn die Krümellady schon morgens um 5.30 Uhr wach wird und trotz liebevollster Versuche unter keinen Umständen mehr zurück ins Bett zu bugsieren ist. Wenn zwei unbeobachtete Minuten im Wohnzimmer den Kids genügen, um fünf verschiedene Spielzeugkörbe (Huch, wusste gar nicht, dass wir sooo viele haben?!) auszuräumen und deren Inhalt gleichmäßig im Raum zu verstreuen. Wenn die Krümellady und ihre Freundin mich zum zwanzigsten Mal in fünf Minuten zu sich rufen, da das Deckendach ihres „Hauses“ – sprich: dem Babybett des Krümellords – schon wieder zusammengefallen ist. Wenn mein Sohn fünf Mal hintereinander die Türe unseres (kalten!) Kaminofens aufreißt und seine Händchen in der Rest-Asche schwarz paniert. (Die habe ich jetzt übrigens zugeklebt, die Türe …) Wenn meine Tochter sich das Gesicht mit Babix, einem Erkältungsinhalat aus Eukalyptus- und Fichtennadelöl, „eincremt“. Darf’s noch ein bisschen mehr sein? Gerne. Ich hab die rosarote Mama-Brille auf 😉

Mit Mama-Brille habe ich Superkräfte, bleibe gelassen, konstruktiv und mache das Beste aus Dinge, die ich ohnehin nicht ändern kann. Kann kluge Gedanken fassen und diese auch für die Kinder verständlich formulieren. Kann das Chaos ausblenden und das Schöne sehen. Etwa die strahlenden Gesichter meiner kleinen Halunken, die eine Mords-Gaudi haben, bei dem, was sie tun. Ihr Spaß, Dinge zu entdecken. Ihre heimliche Freude über einen gelungenen Streich. Ihre Begeisterung, mit Regeln brechen zu können/dürfen. Ihre Unschuld, wenn sie auf tapsigen Beinen die Packung mit Couscous transportieren und im nächsten Moment stolpernd aus den Händen verlieren. Rummms. Jetzt ist es geschehen! Her mit meiner Brille!

Nur manchmal nutzt auch die schönste Brille nix mehr: Wenn etwas mit Vorsatz geschieht, zum Beispiel. Wenn jemand absichtlich geärgert oder verletzt wird. Wenn auch das dritte Nein nicht reicht – zumindest bei der Großen, die schon sehr gut verstehen und bestens begreifen kann. Dann will ich kein rosarot! Dann gewinnt das Ohne-Brillen-Ich die Oberhand. Dann renne ich auch mal fluchend aus der Zimmertüre. Dann werde ich lauter als ich will. Dann beklage ich meine Situation in länglichen Telefonaten mit Großeltern und Freundinnen. Dann verordne ich frühes ins Bett gehen. Dann hilft nur: Ärger loswerden, Problem ansprechen, Standpunkt klar machen. Und anschließend? Wenn alles ausgesprochen, gesagt, geklärt und geglättet ist? Brille zurechtrücken und weitermachen. Den Durchblick behält man allemale. Nur die Aussicht ist schöner mit rosarot.

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