MäuseSeht ihr das? Sie schwärmen aus. Sie kommen auf mich zu. Sie wollen mich erreichen. Es gibt kein Entkommen … Okay, okay, ich gebe es zu: Die Schaumzuckermäuse sind wieder in meine Küchenschublade eingezogen. Drei tapfere Wochen habe ich den Verzicht auf Nervennahrung weitestgehend durchgehalten. Dann habe ich beschlossen: Keine Schaumzuckermäuse sind auch keine Lösung. Was ich dennoch aus meiner Zeit ohne Naschereien mitgenommen habe und welche weiteren Lieblinge mich und die Krümelkids derzeit begeistern …

Genascht. Das Fußballfeld ist Schuld. Ein etwa daumennagelgroßes Fußballfeld von Haribo, um genauer zu sein. Ein saures grünes Kaubonbon mit weißer Mittelfeldlinie darauf hat meinen Widerstand gegen jegliche Form von Gummibärchen und Naschereien gebrochen. Denn natürlich falle ich auf Werbegags zur Fußball-EM herein. Sehr gerne sogar! Die winzigen sauren Fußballfelder musste ich einfach haben. Und vom essbaren Fußballrasen ist es gar nicht mehr weit zu den Mäusen aus Schaumzucker, versteht ihr … Es gibt ab sofort also wieder Süßigkeiten in meinen Küchenschubladen. Drei Dinge habe ich dennoch aus meiner Zeit ohne Nervennahrung mitgenommen:

  1. Ich kann das! Es geht! Ein Leben ohne Nervennahrung ist möglich. Nur leider nicht erstrebenswert …
  2. Das Spezi ist weg. Ein für allemal. Ich fühle mich besser ohne die zuckersüße Fanta-Cola-Mischung, die meinen Blutzuckerspiegel sprunghaft in die Höhe katapultiert. Manchmal vermisse ich meinen nachmittäglichen Spezi-Kick. Aber das geht vorbei …
  3. Lieber bewusst naschen, als gar nicht. Denn die eigentliche Herausforderung für mich ist nicht der Verzicht auf ein Zuviel an Süßigkeiten. Sondern eher die Ruhe und Muße, etwas bewusst zu genießen. Nebenbei naschen? Lieber nicht! Eine bewusste Auszeit mit kleinen Snacks versüßen. Go for it!

Geschwelgt. Von zuckrigen Naschereien zu echtem, gutem Essen: Vor kurzem habe ich den Food-Blog von Kommunikationsdesignerin Anne Peter entdeckt. Und bin restlos begeistert. Optisch ist Annes Seite ein echter Knüller: aufgeräumtes Design, ansprechende Fotos, großartiges Food-Styling. Schon seit Wochen will ich diesen köstlich aussehenden Flammkuchen nachbacken, in dem eine meiner derzeitigen Lieblingszutaten – grüner Spargel – verarbeitet wird. Vielleicht auf einen Versuch am Wochenende?

BronskyGelesen. Von tatsächlicher zu geistiger Nahrung: Zwei Bücher aus der Feder der deutsch-russischen Schriftstellerin Alina Bronsky vergrößern derzeit den Lesestapel neben meinem Bett: „Scherbenpark“ und „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“. Nachdem ich diesen Radio-Talk mit der unter Pseudonym schreibenden Autorin und Lebensgefährtin von Schauspieler Ulrich Noethen gehört hatte, musste ich Alina Bronsky einfach lesen. Gestartet bin ich mit „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“, das die Geschichte von drei Generationen aus Sicht der schönen und überaus durchsetzungsfähigen, wenn nicht gar despotischen Großmutter Rosalinda erzählt. Ihre Erzählstimme ist es auch, welche die Geschichte trägt und die Lektüre so spannend, amüsant und unterhaltsam macht: Schonungslos offen, voller Boshaftigkeit und Geringschätzung für ihre Tochter Sulfia und voll leidenschaftlichen Stolzes für die Enkelin Aminat erzählt Rosalinda vom Weg der drei Frauen, der sie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland führt.

Der zweite Titel, „Scherbenpark“, ist Bronskys Debüt-Roman und hat bereits seinen festen Platz auf der Lektüreliste im Deutschunterricht gefunden. Das Buch erzählt die Geschichte der 17-jährigen Sascha, die von Moskau nach Deutschland gekommen ist und mit ihren jüngeren Geschwistern in einem Hochhausghetto lebt. Saschas Leben wird von Rachegedanken bestimmt, denn der Stiefvater hat ihre Mutter ermordet. Sascha träumt davon, den Mörder zu ermorden und ein Buch über ihre tote Mutter zu schreiben. Gleichzeitig ist die hochbegabte junge Frau Schülerin eines katholischen Elite-Gymnasiums und dort ständig mit der Diskrepanz zwischen ihrem eigenen Ghetto-Alltag und der Welt der Oberklasse-Mitschülerinnen konfrontiert. Ein Entwicklungsroman über Identitätssuche, soziale Ausgrenzung und Hass.

HosenGeflickt. Kennt ihr das Löcher-am-Knie-Phänomen? Ich auch nicht! Zumindest bislang. Denn bei meiner Tochter kann ich mich nur in der Krabbelphase daran erinnern, dass alle, also wirklich ALLE Hosen IMMER an den Knien durchscheuerten. Nur bei meinem Sohn sind die Löcher-am-Knie ein Dauerphänomen. Auch jetzt noch wo, er längst sicher und bei Bedarf blitzschnell laufen kann. Muss wohl son Jungs-Ding sein, das sie es schaffen, Hosen innerhalb eines Tages kaputt zu tragen. Was also tun? Die Lösung hat tatsächlich der Krümelmann (!) ergoogelt. Und zwar diese tolle Website mit kinderleicht aufzubügelnden Knieflicken. Sehen sehr hübsch aus und halten okay. (Nach mehrmaligem Waschen passiert es, dass sich Seitenränder lösen, insbesondere bei den nicht runden Exemplaren. Dann muss man leider selbst zu Nadel und Faden greifen …). Ich sags euch: Flickwerk schaut manchmal besser aus als Neuware.

SchalenGeplantscht. Über das derzeitige Wetter hier im Süden möchte ich am liebsten gar keine Worte verlieren. Das gehört definitiv auf keine Lieblings-Liste. Nicht zuletzt wegen der schweren Hochwasserkatastrophe im Landkreis Rottal-Inn. Aber es gibt auch gute Tage in diesem Sommer. Der Montag und Dienstag dieser Woche zum Beispiel. Auch wenn die Temperaturen noch nicht fürs Plantschbecken reichen. Wasserspiele stehen bei den Krümelkids immer hoch im Kurs. Am liebsten befülle ich diese lustigen Schalen der Schweizer Firma Moluk mit Wasser, gehe in spritzfreie Deckung und überlasse den Rest der Kreativität und Spielfreude meiner Kinder. Logisch, dass wir nach fünf Minuten meistens die ersten nassen Klamotten wechseln dürfen. Ohne Wasser eignen sich die Schalen übrigens prima als Kreisel zum Reinsetzen.

Geweint. Wie komme ich jetzt vom Sommersonnenschein elegant zu diesem Thema hier? Vermutlich gar nicht … Ich lesen schon länger und immer wieder gerne, was Katarina auf blogprinzessin.de aus ihrem Leben mit drei Kindern unter Vier in der norddeutschen Provinz erzählt. Sie schreibt authentisch, witzig und immer mit einer gewissen Prise Selbstironie. Was sie diese Woche zu berichten hat, geht ans Herz: Vor Kurzem hat Katarina ihr noch ungeborenes, viertes Kind in der zehnten Schwangerschaftswoche verloren. In „Tschüss Baby. Ich liebe dich.“ erzählt sie von ihrer kurzen Schwangerschaft, der Vorfreude auf das Kind und dem abrupten Ende eines wachsenden Lebens. Schnörkellos. Auf den Punkt. Und doch ergreifend. In „Wir sind noch hier.“ beschreibt sie außerdem den Tag ihrer Ausschabung und wie unfassbar unsensibel das Krankenhauspersonal mit ihrer Situation umgeht. Diese intimen Details zu teilen finde ich mutig. Und bewundernswert. Denn das Thema hat definitiv Öffentlichkeit verdient: Je nach Alter liegt das Risiko für Frauen, eine Fehlgeburt zu erleiden bei knapp zehn (20-Jährige) bis mehr als fünfzig Prozent (42-Jährige). Eine Freundin, die ähnliches erlebt hat, sagte mir unlängst, es habe ihr gut getan, über das ungewollte Ende ihrer Schwangerschaft zu sprechen. Also, Hut ab, Katarina! Danke, dass du deine Erlebnisse mit uns teilst und so anderen Betroffenen das Gefühl gibst, nicht allein zu sein! Die Krümelfamilie und ich wünschen euch viel Kraft für die kommende Zeit.

Gefreut. Und zuletzt noch ein Buch, das auf meiner must-read Liste schon jetzt ganz oben steht: Am 24. November erscheint der Titel „Alles inklusive“ von Mareice Kaiser, Journalistin und Regentin des lesenswerten Blogs kaiserinnenreich.de. Auf ihrer Seite erzählt Mareice vom Leben mit ihren zwei Töchtern – mit und ohne Behinderung. Und seit Ende des vergangenen Jahres leider auch vom Umgang mit dem Tod. Denn plötzlich und unerwartet starb Kaiserin 1 und hinterließ eine riesengroße Leerstelle im Leben von Mareice und ihrer Familie. Umso schöner, dass Mareice ihr bereits begonnenes Buchprojekt fortzusetzt und uns vom Leben mit Kaiserin 1 erzählt: Sie habe sich entschieden, schreibt Mareice: „Für das Buch über das Leben mit einem behinderten Kind, meinem behinderten Kind. Für das Buch über meinen Weg als berufstätige Mutter mit besonderen Herausforderungen. Für das Buch über meine Entdeckung des Feminismus. Für das Buch über die Geburt eines Kindes, zu der fast niemand gratuliert. Für das Buch über unsere bürokratischen Kämpfe, stärkende Freundschaften, dumme Sprüche und bedingungslose Liebe. Für die Liebe zu meiner Tochter und zum Leben.“

In diesem Sinne: Haltet eure Lieben sehr fest! Und genießt das (hoffentlich!) gemeinsame Wochenende.

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