Das erste Jahr KindergartenIhr Lieben, das Kindergartenjahr neigt sich dem Ende zu. Vor Kurzem haben wir Sommerfest in der Einrichtung der Krümellady gefeiert. Es kam mir vor, als wäre es gestern gewesen, als uns zum ersten Mal die Holzfiguren am Zaun begrüßt haben. Dabei ist meine Große schon bald ein Jahr lang Kindergartenkind. – Note to self: Jetzt bloß nicht wehmütig werden! – Ein Jahr, in dem verdammt viel passiert ist. Die Lady, aber auch wir Krümeleltern, verdammt viel gelacht, geklettert, gekämpft, gestreikt, gehustet, gebastelt und gelernt haben. Das erste Jahr Kindergarten: Unsere wichtigsten Erkenntnisse in sieben Punkten.

1) Schniefnasen: Darf’s noch ein bisschen mehr sein?

Nein, die ganz fiesen Krankheiten macht man nicht alle schon in der Krippe durch. Leider, möchte ich fast sagen. Denn der erste KiGa-Winter war tatsächlich härter als der erste Krippen-Winter. Und ging gefühlt von Weihnachten bis Ostern, wie ich hier und hier bereits wortreich geschildert habe. Auch wenn eure Krippenkinder ihr Immunsystem bereits zwei Jahre lang durch täglichen Bakterienbeschuss gestählt haben: Im Kindergarten gibt’s wieder nen anderen Cocktail aus Viren, Bakterien und schlecht gewaschenen kleinen Händen. Macht euch auf das Schlimmste gefasst. Dann werden eure Erwartungen an das erste Jahr Kindergarten hoffentlich enttäuscht 😉

2) Betreuungsschlüssel: 3:12 ist besser als 2:20.

Ja, eure Kinder sind „schon“ Drei, wenn sie in den Kindergarten kommen. Ja, sie können ihren Namen, ihr Alter und ihr Lieblingsessen nennen. Sie gehen (meist) selbstständig aufs Klo und ziehen sich an sehr guten Tagen auch ebenso selbstständig an. Dennoch … Im Rückblick erscheinen mir die Krippenjahre der Krümellady als geradezu behütete, idyllische Zeit. Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob sich drei Fachkräfte um zwölf Kinder kümmern. Oder eben zwei Fachkräfte zwanzig wuselige Kleine unter ihrer Obhut haben.

Das erst Mal so richtig aufgefallen ist mir das an einem Wintertag: Ich hatte die Krümellady zu Fuß abgeholt und wunderte mich nach kurzer Zeit über ihren merkwürdigen Laufstil. Als ich unter ihren Skianorak schaute, sah ich, dass sie ihre Schneelatzhose falsch herum angezogen hatte – also, mit dem Latz nach hinten. In der Stunde, die die Kids zuvor schon draußen im Schnee gespielt hatten, hatte sich offenbar keiner gefragt, warum sie sich so schlecht bewegen konnte. Sowas kann vorkommen. Ein Einzelfall in unserem Fall. Der aber dennoch deutlich zeigt, wie wenig Zeit für eine individuelle Betreuung und Pflege im Kindergarten häufig bleibt. Für uns Eltern heißt das: nachfragen, mitdenken, Acht geben! – euren Kindern zuliebe.

3) Allianzen: Am Ende gibt’s doch Freundschaftsbücher.

„Mamiii, sind wir Freundinnen?“ – Gleich zu Beginn des Kindergartenjahres stellte sich meiner Tochter diese Frage. Und zwar nicht nur in Bezug auf mich. Denn natürlich konnte ich ihre Freundschafts(an)frage glaubhaft und aus vollem Herzen bejahen. Sondern vor allem im Bezug auf die anderen Kinder in ihrer Gruppe. „Wer spielt mit wem?“ „Wer teilt sein Butterbrot mit mir?“ „Wer darf zu wem nach Hause kommen?“ – Fragen, die Kinderherzen bewegen und um das eine große Thema „Freundschaft“ kreisen. Denn natürlich müssen schon Dreijährige ihren Platz in einer Gruppe finden. Und der wird verdammt hierarchisch vergeben. Alter spielt eine Rolle. Aber auch Ausdrucksfähigkeit. Selbstbewusstsein. Wie schön jemand malen kann. Oder singen. Oder turnen.

Wer Anschluss finden will, braucht Geduld. Und die Gelassenheit, verbale Rückschläge hinzunehmen. Sätze, wie „Du bist nicht mehr meine Freundin!“, etwa. In seiner emotionalen Sprengkraft nur noch übertroffen von: „Ich lade dich nicht zu meinem Geburtstag ein.“ Ja, Kinder können grausam sein. Aber sie besitzen glücklicherweise auch die Fähigkeit, Kränkungen schnell zu überwinden. Das erste Jahr Kindergarten – am Ende dürfen wir Eltern in jedem Fall ein, zwei, drei oder mehr Freundschaftsbücher ausfüllen. Zu Dates hin und her flitzen. Und auf Verdacht einen zusätzlichen Kindersitz im Auto installieren. Falls die Krümel mal wieder Verabredungen getroffen haben, von denen wir erst vor Ort erfahren.

4) Spielzeug: „In“ ist, wer Anna und Elsa liebt.

In der Krippe war die Krümellady eins von vier Mädchen unter acht Jungs. Da ging’s oft hart, aber herzlich zu. Cool war, wer am schnellsten Laufrad fahren oder die ekligsten Pupsgeräusche mit dem Mund machen konnte. Mit dem Eintritt in den Kindergarten und in eine mädchendominierte Gruppe haben sich unsere Maßstäbe für Coolness dann diametral verschoben. Ich sage nur: Mia and Me. Die Eiskönigin. Prinzessin Lillifee. Und: Pferde, Pferde, Pferde. Einhörner. Noch mehr Pferde …

Wenn die Sechsjährigen den Disney-Titelsong „Let it go“ singen, möchten die Dreijährigen mithalten. Und packen ihr schönstes Denglisch aus. Zu Fasching will jede eine Elsa sein. Zumindest ein prinzessinnenähnliches Wesen mit gaaaaanz viel Glitzer, Tüllrock und Flügeln. Ach ja, und ein paar Edelsteine um den Hals wären noch prima. Guter Geschmack? Wer braucht denn den, wenn es grellbuntes, blinkendes, pinkes Glitzer-Merchandise gibt! Ich gebe es auf … Und freue mich heimlich, wenn meine Tochter zu Hause zur Holzwerkbank des Krümellords greift.

5) Abholzeit: Zu früh? Zu spät? Nie richtig!

Ob kurz nach dem Mittagsessen oder erst am Nachmittag. Ob man nun früh kommt oder spät: Es ist nie der richtige Zeitpunkt, das Kind vom Kindergarten abzuholen! Immer muss noch schnell etwas erledigt, aufgeräumt oder zu Ende gespielt werden. Nach Hause gehen? Wieso? Da wird aus dem „schnell mal eben“ in den Kindergarten springen gut und gerne ein nervenaufreibende halbe Stunde. Nur wenn wir Freunde der Krümellady im Schlepptau haben, muss es plötzlich ganz schnell gehen. Dann sind zwei Kindergartenflöhe aus dem Tor geflitzt, bevor ich „Schuhe anziehen“ sagen kann. Verrückte Kindergarten-Welt!

6) Zicken und Zetern: Das Ende der Unschuld.

Krippenkinder taktieren nicht. Sie haben keine second thoughts. Wenn Krippenkinder sagen: „Ich will nicht mit dem XY spielen.“ Dann hat der ihnen vermutlich kurz vorher den Lieblingslegostein, das Schaukelpferd oder den Schneebesen aus der Kinderküche geklaut. Man gibt sich verschnupft. Aber nicht nachhaltig. Nach fünf Minuten ist die Sache gegessen und man checkt gemeinsam, was die Brotbox des Krippenkumpels zu bieten hat. Bei Kindergartenkindern ist das ein wenig anders – hat mich zumindest das erste Jahr Kindergarten gelehrt. Ab einem gewissen Alter wird unseren Krümeln nämlich immer klarer, dass man das Gegenüber nicht nur körperlich (Kind A haut Kind B eins über die Rübe.) sondern auch mit Worten verletzen kann (vgl. auch Punkt 3).

Ein Beispiel, das ich selbst „überhört“ habe: Kind A freudestrahlend: „Hey Kind B, du kommst heute mit zu mir nach Hause.“ Kind B mürrisch: „Tut mir leid, aber ich muss mir erst überlegen, ob ich mit dir oder mit Freundin C nach Hause gehe.“ Autsch, der hat gesessen! In die Kategorie Zickenkrieg fallen auch Aussagen wie: „Ätschibätsch, du darfst nicht mitspielen!“ „Manno, du nervst mich!“ oder auch: „Mensch, mach mir nicht alles nach!“ Auch hier ist es an uns als Eltern, genau hinzuhören: Wie häufig sind solche Situationen? Wer gerät mit wem in Konflikt? Und warum? Im Zweifel eine zusätzliche Gruppenstunde in „Respekt und Fairness“ einlegen.

7) Klamotten: Mit dem Prinzessinnenkleid durchs Unterholz.

Dienstag ist Waldtag im Kindergarten. Heißt: Die Kids wandern zum Spielen durch Wälder und auf Wiesen, beobachten Ameisen, liegen im Gras, balancieren auf Baumstämmen, bauen Hütten aus Tannenzweigen und suhlen sich in Matschpfützen. Okay, Letzteres ist übertrieben. Aber so sieht’s manchmal aus … Fakt ist: Jeden Dienstag geraten die Krümellady und ich über die K-Frage aneinander. Nein, es geht hier nicht um große Politik. Es geht um die Wahl der richtigen Klamotten. Jeden Dienstag haben wir denselben Dialog …

Sie: „Ich möchte ein Kleid anziehen.“ Ich: „Ihr habt Waldtag, ihr sollt eine lange Hose tragen.“ Sie: „Aber ich WILL ein Kleid anziehen!“ Ich: „Aber eine Hose schützt deine Beine viel besser. Du willst doch nicht von Mücken gestochen werden. Oder dass eine Zecke dich beißt.“ Sie: „Aber die XY zieht auch immer ein Kleid in den Wald an!“ Ich: „Das ist mir egal. Auf dem Merkblatt steht: Bitte lange Hose anziehen!“ Sie: „Nein!“ Ich: „Du ziehst jetzt diese Jeans hier an.“ Sie: „Neiiiiiiiiiin!“ Am Ende ist die Krümellady stinksauer. Und ich fertig mit den Nerven. Aber die Hose ist am Mann. Oder Kind, besser gesagt. Lange Vorrede, kurzer Sinn: Wenn Kinder anfangen, ihre eigenen Klamotten auszuwählen – und das tun sie in der Regel ab Kindergartenalter – wird’s anstrengend!

Und ihr: Wie war das erste Jahr Kindergarten bei euch? Was haben eure Krümel und ihr mitgenommen?

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