Lob der StilleMit Kindern ist es nie besonders ruhig: Der Krümellord räumt geräuschvoll die Spielküche um und aus. Die Krümellady tanzt eine Choreographie zum voll aufgedrehten Kinderschlager „Zwei kleine Wölfe“. „Ba du ba dum ba dum …“, singt meine Tochter und vollführt eine Art Radschlag auf dem Parkett. „Wräääämmm“, der Krümellord gibt mit seinem neuen Sound-Lenkrad am Rutschauto Gas. Später geht noch ein Glas zu Bruch. Und die Krümellady kriegt einen Wutanfall, weil ich ihre Schuhe schon wieder zu lose gebunden habe. Ruhe? Stille? Schweigen? – Im Alltag mit zwei kleinen Kindern eine Seltenheit.

Die vergangenen vierzehn Tage waren wunderschön, aber besonders voll gepackt: 24 Stunden London. Besuch von den Großeltern aus dem Rheinland. 40. Geburtstag des Krümelmanns mit mehr als 50 Gästen. Drei Tage voller Feierlichkeiten. Dazu ein Krümellord, der mit über 40 Grad Fieber so richtig in den Seilen hing. Wir haben so viel geredet, organisiert, ab-, an- und vorgesprochen, dass ich mich jetzt ganz leergequatscht fühle. Bereit, einfach nur zu sein. Zuzuhören statt selbst zu reden. Aufzunehmen. Der Stille zu lauschen. So einer trägen, sommerschweren Stille. Oder Dinge wahrzunehmen, die man nur hört, wenn es um einen rum ganz ruhig ist. Eine Liste der Dinge, die ich gerade gerne höre. Und Geräusche, auf die ich gut verzichten kann.

Zum Hinhören

  • Die leisen Seufzer, die der Krümellord während seines Mittagsschlafs gelegentlich ausstößt.
  • Das Plätschern des Springbrunnens im Gartenteich unserer Nachbarn.
  • Wie die Blätter unseres Bambusstrauchs im Wind rascheln.
  • Das doppelsilbige Brabbeln des Krümlellords: „Ham-ham.“ „Au-tooooo.“ „Tau-tau!“ „Pa-paaaaa.“
  • Dialoge, welche die Krümellady sich mit ihrer radelnden Playmobil-Familie ausdenkt.
  • Wie das Wasser aus dem Gartenschlauch in unser Planschbecken schießt.
  • Die Freudenschreie der Krümelkids, wenn sie ins frisch gefüllte Planschbecken hüpfen.
  • Das Brummen von Hummeln, die sich in unsere Rosenblüten bohren.
  • Die Schritte des Krümellords auf unserem Gartenkies.
  • Die Schmeicheleien der Krümellady, wenn sie sich an mich schmiegt: „Meine beste Mama!“

Zum Weghören

  • Handyklingeln.
  • Schüsse oder sonstiges Gedudel aus dem Fernseher.
  • Das Schreien des Krümellords, den seine Schwester zu Fall gebracht hat.
  • Das Schreien der Krümellady, der der Krümellord an den Haaren gerissen hat.
  • Das Geräusch einer Glasschiebetüre, die auf unserem Wohnzimmerboden in tausend Scherben zersplittert. Leider kürzlich so passiert. 🙁
  • Das Hupen unseres Wäschetrockners.
  • Niesen, Husten oder Rotzen der Kinder.
  • Der morgendliche Weckeralarm vom Mobiltelefon. Lässt sich wohl erst in den Ferien ganz abstellen …

Und ihr: Sehnt ihr euch auch manchmal nach Stille? Und was hört ihr, wenn es richtig ruhig ist?

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