Entspann dichIch bin ja nicht für Gender-Stereotyping oder Geschlechter-Bashing, liebe Jungs. Aber heute soll es um einen Satz gehen, der bevorzugt von Freunden, Ehemännern, Lebenspartnern und besseren Hälften vorgetragen wird. Behauptet zumindest eine repräsentative Umfrage in meinem (weiblichen) Freundeskreis. Ein Lieblings-Spruch, den euer Gegenüber unter Garantie in den falschen Hals bekommt. Selbst wenn dieser Satz von euch – Ehre-Schwöre! – wirklich gut gemeint ist. Im besten Sinne einer gelungenen Krisenkommunikation also. Aber, Jungs, die Wahrheit ist: Wenn ihr zu uns sagt „Jetzt entspann dich doch mal!“, bewirkt das genau das Gegenteil. ES BRINGT UNS AUF DIE PALME! Warum? Ganz einfach …

Die Sprengkraft des Satzes „Jetzt entspann dich doch mal!“ hat vor allem etwas mit Timing zu tun. Ein paar Beispiele für Situationen, in denen Schweigen Gold ist. Und wir ein gemurmeltes „Jetzt entspann dich doch mal!“ keinesfalls hören möchten:

  • Wenn wir unser großes Kind jede Minute mit multiplen Knochenbrüchen im Krankenhaus wähnen, weil ihr ihm zeigt, wie man die zehn Meter (mindestens!) hohe Feuerwehrstange auf dem Spielplatz runterrutscht.
  • Wenn wir gerade zum 20. Mal den Hotelwintergarten fluchtartig verlassen mussten – unter den strengen Blicken der anderen Gäste. Weil das kleine Kind lautstark seinen Unmut über das langweilige Abendessen kundgetan hat.
  • Wenn Rumpelstilzchen Besitz von unserem Kind ergriffen hat – mitten im Supermarkt/beim Auswärts-Essen/auf dem Hochzeits-Empfang von Freunden.
  • Wenn ihr mit vor Dreck starren Wanderschuhen das frischgeputzte Wohnzimmer durchpflügt.
  • Wenn ihr der Meinung seid, den quasi senkrecht nach unten abfallenden Berghang mit Kleinkind in der Kraxe besichtigen zu müssen.
  • Oder (Klassiker!) wenn das Kind beim Urlaubsflug die übermütig bestellte Apfelschorle großzügig auf Mamis Hose und Bluse verteilt.

„Jetzt entspann dich doch mal, Schatz!“ – Lieber nicht! Denn würden wir unsere zusammengebissenen Zähne tatsächlich lösen, käme vermutlich nichts Gutes aus unserem Munde.

Entspannung lässt sich nicht herbeireden.

Ja, Jungs, ich weiß: Ihr meint es gut! Ihr wollt uns aufmuntern. Möchtet signalisieren: „Alles paletti. Es gibt keinen Grund, sich aufzuregen.“ Das ist ehrenwert. Aber leider völlig nutzlos. Denn mal ehrlich: Hat es euch weitergeholfen, als wir „Jetzt entspann dich doch mal!“ flüsterten … als der Kleine eine Spider-App (sprich: Display-Schaden) auf euer Smartphone lud? … oder als die Große die Uhr eures Großvaters zum Spielen verwendete – entsprechende „Abnutzungserscheinungen“ inklusive? Hat nix genützt? Hmmm. Genauso geht es uns, wenn ihr die vermeintliche Beschwichtigungsformel „Jetzt entspann dich doch mal!“ anwendet. Merke: Wenn es keinen guten Grund gibt, sich aufzuregen, sind wir TIEFENENTSPANNT. Und wenn wir nicht tiefenentspannt sind, nützt euer Standard-Ratschlag eh nix.

Aber, Achtung! Wie jede Regel auf dieser Welt hat auch diese ein paar gültige Ausnahmen. Ja, ehrlich! Wir hören liebend gerne „Entspann dich doch mal!“ – vorausgesetzt der Spruch kommt in Kombination mit einem vielversprechenden Folgesatz:

  • „Jetzt entspann dich doch mal! Ich schenke dir eine Auszeit auf Mirihi.“
  • „Jetzt entspann dich doch mal! Ich habe deine Freundinnen angerufen – sie erwarten dich zum Brunchen in München.“
  • „Jetzt entspann dich doch mal! Ich hab gerade das lange Mädelswochenende in Berlin für dich gebucht.“

Oh jaaaa, da fiele mir so einiges ein, liebe Jungs! Aber fürs Erste folge ich heute eurem gut gemeinten Ratschlag, klappe den Rechner zu und … geh’ mich entspannen. Kommt ihr mit?

PS: Auf dem Foto seht ihr eine meiner super Kladden von Junique. In denen ich obskure Gedankengänge wie diesen gerne festhalte …

2 comments on “Jetzt entspann dich doch mal! Über die Sprengkraft einer Beschwichtigungsformel.”

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