Winter in FinnlandBald ist es soweit, ihr Lieben! Bald hören wir Bing Crosbys „I’m Dreaming of a White Christmas“ als Dauerschleife im Radio. Und obwohl wir hier am Schliersee schon Anfang November eine gehörige Portion Schnee abbekommen haben: Der erste Adventssonntag versank komplett in Nebel und Dauerregen. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass uns Yvonne heute wieder an ihrem Familienleben als Expats in Finnland teilnehmen lässt. Und da darf – ganz klar! – das Thema Winter, Schnee und Kälte nicht fehlen. Wie das Leben bei Tiefsttemperaturen von minus 15 Grad abläuft und wo der Weihnachtsmann seinen „offiziellen“ Wohnsitz hat? Lest selbst, was Yvonne vom Winter in Finnland zu berichten hat.

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Vor unserem Umzug nach Espoo war ich noch voller Vorfreude, denn ich bin davon ausgegangen, dass wir endlich mal wieder weiße Weihnachten erleben dürfen! Naja, diese Illusion haben mir die Finnen dann sehr schnell genommen. Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar und gerade in der Region rund um Helsinki schneit es häufig erst im Januar. Genau so kam es dann auch. Gleich nach Sylvester ging es los mit dem Winter in Finnland. Aber so richtig! Wir konnten uns vor Schnee kaum noch retten und dazu ist es sehr, sehr kalt geworden. Fast den kompletten Januar hatten wir tagsüber nicht mehr als minus 10 Grad Celsius.

Einmal übers Wasser laufen.

Winter in FinnlandDas hört sich schlimm an, ist es aber gar nicht. Wir hatten eine sehr trockene Kälte, die Ostsee ist zugefroren und meistens schien auch die Sonne. Es war richtig schön! Wenn mich in Zukunft jemand fragen wird, was ich an Finnland vermisse, dann zählen sicherlich der Schnee im Winter und der grandiose Anblick der zugefrorenen Ostsee dazu.

An einem sonnigen Wochenende haben wir – warm eingepackt! – einen Spaziergang auf der Ostsee unternommen. Einmal übers Wasser laufen … die Kinder waren total aus dem Häuschen und hatten ausnahmsweise riesigen Spaß am Spazierengehen! Zum Glück mögen beide den Schnee sehr gerne, so dass wir häufig nachmittags nach der KiTa noch den Schlitten rausgeholt haben und die Hügel in der Nähe unseres Hauses runtergerutscht sind.

Dann kam die große Frage, wo wir denn am besten Skifahren gehen könnten? In Finnland gibt es kaum richtig hohe Berge, vielleicht ein paar wenige Skigebiete in Lappland, die sind aber nicht zu vergleichen mit den Alpen. Da unser Sohn im Winter zuvor gerade erst Skifahren gelernt hatte, reichten auch ein paar kleine Hügel vollkommen aus. In einem Umkreis von ca. 30-45 Minuten Fahrtzeit von Helsinki gibt es einige kleine Skigebiete (z.B. Peuramaa oder Vihti) mit jeweils fünf oder sechs Schleppliften und Rodelbahnen. Also waren wir immer wieder an den Wochenenden mit Ski und Schlitten unterwegs. Denn unsere Tochter konnte mit ihren 3,5 Jahren noch nicht Skifahren.

Brrrrrrr, kalt! Winter in Finnland.

Winter in FinnlandVielleicht habt Ihr Euch beim Lesen gefragt, ob man es bei so einer Kälte denn überhaupt länger draußen aushalten kann? Das ist in der Tat nicht so lange möglich. An den Tagen, an denen es kälter als minus 15 Grad war, sind die Kinder sogar im Kindergarten tagsüber drinnen geblieben. Nur die älteste Gruppe (die Fünfjährigen) konnte zweimal am Tag für 15 Minuten raus. Dabei waren sie ständig in Bewegung, durften im Prinzip nicht stehen bleiben oder sich hinsetzen. Die Erzieher haben sie mit Lauf- und Springspielen auf Trab gehalten. Spannend fand ich auch, dass es zum großen Bedauern der Kinder nicht möglich war, Schneemänner zu bauen. Der Schnee war so trocken, dass er nicht aneinandergeklebt ist. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Winter in FinnlandWenn es anfängt zu frieren, öffnen überall in Finnland künstlich angelegte Eislaufbahnen – mit Schuhverleih, Heißgetränken etc. Zusätzlich werden fast alle Sportplätze mit Wasser übergossen, so dass eine Eisfläche entsteht und man jederzeit dort eislaufen kann. Die meisten Kinder lernen Eislaufen (gefühlt) parallel zum richtigen Laufen. Es gibt auch abgetrennte Flächen, die extra zum Eishockey spielen gedacht sind. Im letzten Winter haben wir das wenig genutzt. Aber inzwischen macht unsere Tochter einen Ice Skating Kurs und der Große ist so stürmisch, dass er es fast schon alleine gelernt hat.

 

Als Michelin-Männchen durch die Schneeschmelze.

Winter in FinnlandMitte/Ende März wurde es wärmer, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Warum? Weil nach dem Winter in Finnland erst einmal sehr viel Schnee schmilzt. Wenn es dann dazu noch regnet, kann man sich vor Wasser gar nicht mehr retten. Alles ist matschig, überall sind riesige Pfützen … ein Paradies für Kinder und die Hölle für Mamis. Im Kindergarten fiel mir auf, dass die meisten anderen Kinder über ihren Schneeoveralls noch ihre dünnen Matschhosen trugen. Die kleineren Kinder konnten sich dann fast gar nicht mehr bewegen – stellt Euch ein Michelin-Männchen vor 😉 Ich wollte das meinen Kindern nicht antun und dachte: „Das ist Quatsch, die Overalls sind doch wasserdicht!“

Nach drei Tagen hatte ich meine Lektion gelernt, das Wasser kam zwar nicht durch den Overall durch, aber er war von außen so was von „durchtränkt“, dass ich ihn gar nicht mehr richtig trocken bekommen habe. Wenn die Kinder morgens draußen waren und nachmittags nochmal auf den Spielplatz wollten, war der Anzug noch nass und somit auch schwer. Also habe ich tatsächlich die Sommer-Matschhosen wieder hervorgeholt und den Kindern über den Schneeanzug drüber gezogen. Und natürlich musste ich jeweils 10-15 Minuten fürs Anziehen einplanen, bevor wir dick eingemummt aus dem Haus kamen.

Vorweihnachtszeit: Wenig Ramsch, aber auch kein Glühwein.

Wenn ich schon beim Thema Winter in Finnland bin, darf natürlich auch Weihnachten nicht fehlen. Das Weihnachtsfest unterscheidet sich nicht von unserem, die Bräuche sind gleich und die Feiertage auch. Allerdings gibt es in der Adventszeit nicht ein solches Überangebot an Süßigkeiten. Und die Weihnachtsdeko liegt auch nicht schon ab September in den Läden. Das gefällt mir ganz gut. Außerdem gibt es viel weniger Weihnachtsmärkte. Und wenn, dann kann man dort meistens keinen Glühwein kaufen. Das gefällt mir nicht ganz so gut 😉 Wer in Finnland Alkohl verkaufen möchte, benötigt eine Lizenz. Das lohnt sich nicht für kleine Anbieter auf den Märkten. Allerdings wird insgesamt auch nicht so viel „Ramsch“ verkauft, was ich als sehr angenehm empfinde.

Am 6. Dezember begeht Finnland seinen Nationalfeiertag (Unabhängigkeitstag). Den Nikolaus kennt hier keiner und es gibt auch keine Geschenke an diesem Tag. Ganz anders natürlich am 24. Dezember. Da beschenkt der Weihnachtsmann die finnischen Kinder. Wusstet ihr übrigens, dass er seinen „offiziellen“ Wohnsitz in Finnland hat, genauer gesagt in Lappland? In der Nähe der Stadt Rovaniemi gibt es ein (natürlich sehr kommerziell aufgezogenes) Weihnachtsmanndorf. Dort können die Kinder ihre Wunschzettel persönlich beim Weihnachtsmann abgeben. Natürlich ist es auch möglich, die Wunschzettel zu schicken. Oder sogar einen persönlichen Brief des Weihnachtsmanns für die lieben Kleinen zu ordern, der dann pünktlich zum Weihnachtsfest eintrifft.

Dreaming of a White Christmas …

Jetzt beginnt unser zweiter und auch letzter Winter in Finnland. Diesmal hatten wir Anfang November schon Schnee – das war toll! Bei unseren finnischen Freunden haben wir uns revanchiert, indem wir mit den Kindern Laternen gebastelt und danach eine Runde durch den Schnee gelaufen sind. So konnten wir auch mal einen deutschen Brauch weitergeben. Leider ist es inzwischen wieder wärmer geworden, der Schnee weicht dem Regen und viel Matsch. Was glaubt ihr, was ich gestern wieder rausgeholt habe? Die Matschhosen *seufz* Trotzdem gebe ich die Hoffnung auf ein weißes Weihnachten nicht auf, drückt uns die Daumen!

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Das machen wir doch gerne, liebe Yvonne! Danke für Deinen spannenden Bericht aus Finnland.

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