Weihnachten„Pssssst!“, sagte meine Tochter. „Aber nur ganz kurz!“ Denn bevor sie ihren selbstgebastelten Weihnachtsengel bis zum Heiligen Abend im Schrank versteckte, durfte ich schon einmal einen sneak peak darauf erhaschen. „Aber nicht weitersagen!“ – „Nee, bis Weihnachten hat die Mama das längst wieder vergessen, mein Schatz.“ Wir brauchen alle einen Engel. Ein Gefühl, das zuletzt immer wieder präsent war bei mir. Einen, der da ist, der auffängt, der wieder gut macht – was nie wieder gut oder richtig oder ungeschehen zu machen ist. Aleppo. Oder Berlin. Oder ganz nah hier bei uns vor Ort. 

Schade, dass die Welt nicht so funktioniert, wie Kinder sie sehen. Schade, dass ein zerzauster Engel aus einem Blumentopf immer nur ein Symbol bleibt. Eine Erinnerung an unsere Sehnsüchte und Hoffnungen: Frieden, Gerechtigkeit, Sicherheit, füreinander da sein … All diese zentralen Werte, die Weihnachten wie zu keinem anderen Anlass im Mittelpunkt stehen.

Manchmal frage ich mich tatsächlich, was uns bleibt, außer der Liebe, die wir geben können. Jeder einzelne von uns. Damit die Welt ein klitzekleines bisschen heller und weihnachtlicher wird um uns herum. So wie meine junge und talentierte Kollegin. Die sich entschieden hat, Arbeit und Studium ruhen zu lassen, um einen schwerkranken Menschen im ganz nahen persönlichen Umfeld zu begleiten. „Keine guten Nachrichten so kurz vor Weihnachten“, schrieb sie uns. Das ist leider richtig. Und auch wieder nicht. Denn was gibt es weihnachtlicheres als ganz für einen lieben Menschen da zu sein? Mit ganzem Herzen, mit ganzer Kraft, im Hier und Jetzt. Eine bewunderswert klare Entscheidung, wie ich finde.

Worte verschenken statt Weihnachtsplüsch.

Unsere Lieben festhalten, solange sie da sind. Sicherlich ein sehr wohlfeiler, frommer Wunsch im Weihnachtsendspurt. Den nicht nur ich in diesem Jahr als hektischer und verrückter als jemals zuvor empfunden habe. Aber es tut gut, sich zumindest von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist im Leben. Zum Beispiel mit so kleinen, schönen Aktionen wie dem Adventskalender im Kindergarten der Krümellady. Nicht mit Schokolade, Spielzeugen und dem üblichen Krimskrams beladen. Sondern mit Briefen der Eltern an ihre Kinder. Worte verschenken statt Weihnachtsplüsch. Hier kommt der Brief an meine Tochter …

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Liebe Krümellady,

weißt du noch, als wir zusammen in den Zirkus gegangen sind? Und dort deine Freunde P. und L. getroffen haben. Und vor allem viele tolle Tiere und Akrobaten gesehen haben. Weiß Du das noch?

Das Leben mit Dir ist oft wie eine Zirkusvorstellung – im besten Sinne: bunt, unterhaltsam und voller Überraschungen. Was ich toll finde an Dir – und was das mit dem Zirkus zu tun hat – habe ich heute für Dich aufgeschrieben.

Liebe Krümellady, du bist mutig. Wie die Zirkushunde, die durch den brennenden Feuerreifen springen. Du bist mutig, weil du schon ganz alleine die große Feuerwehrstange auf dem Spielplatz am See herunterrutschen kannst. Selbst wenn Dein Kumpel J. kurz Angst bekommt und stehen bleibt, rutscht Du die lange Stange hinunter.

Du bist wissbegierig. Wie die Mini-Hunde in der Manege, die neugierig bellend hierhin und dorthin tapsen. Du möchtest den Dingen auf den Grund gehen, wissen, wie etwas funktioniert, es am liebsten gleich selbst ausprobieren. Wie macht man das mit der Orangenpresse? Gar nicht so leicht ein ganzes Glas Saft zu pressen!

Du bist hilfsbereit. Wie der Platzanweiser im Zirkus, der jeden Besucher zu seinem Rang führt. Auch Du begleitest gerne den Krümellord zu seinem Ziel. Oder hebst zum 20. Mal seine Schlafpuppe auf, um sie ihm zu bringen. Eine tolle große Schwester!

Du hast Deinen eigenen Kopf, liebe Krümellady. Wie das Eselchen im Zirkus, das keine Lust mehr hat, vor den Karren gespannt zu werden. Wenn Dir etwas nicht passt, ist es ebenso schwer, Dich zu bewegen. Oder gar vom Gegenteil zu überzeugen. Du bist willensstark, ein Sternzeichen „Löwe“ eben. Deine Meinung untermauerst Du mit zahlreichen kreativen Argumenten.

Du erzählst gerne Geschichten. Wie der Clown in der Zirkusmanege. Nur, dass Deine Erzählungen um Längen unterhaltsamer sind als das Standardprogramm eines Zirkusclowns. Mit Deiner großen Fantasiebegabung mischst Du Realität und Wunschdenken zu charmanten kleinen Anekdoten. Und Deine Puppen und Stofftiere plappern unablässig mit Deiner Stimme.

Du bist pragmatisch, liebe Krümellady. Wie der Zirkusdirektor, wenn etwas schiefgeht und die Vorstellung trotzdem fortgesetzt wird. Du überlegst Dir immer eine Lösung. Wie damals, als unser Apfelbaum von Raupen zerfressen wurde. Und ich Dir sagen musste, dass es leider keine Äpfel geben wird. „Dann kaufen wir welche im Supermarkt und hängen die dran“, war Dein Vorschlag.

Liebe Krümellady, Du mutiges, wissbegieriges, hilfsbereites Kind! Du willensstarke, fantasievolle, pragmatische kleine Person! Für all diese Eigenschaften – und noch viel mehr – lieben wir Dich! Wir sind froh und glücklich, dass Du bei uns bist und unser Leben so bunt machst – wie eine Zirkusvorstellung.

Es küssen Dich 
Deine Mama, Dein Papa und Dein Krümellord

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Ach so? Ihr wollt wissen, was die Krümellady gesagt hat zu meinem Brief an sie: „Boah Mama, der war aber lang!“ Du hast recht, mein Schatz, im nächsten Jahr mache ich es ganz kurz: Wir lieben Dich. Der Krümellord und Du – ihr seid das Allerwichtigste in unserem Leben!

In diesem Sinne: Habt fröhliche Weihnachten – und haltet eure Lieben ganz fest.

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