Inauguration DayIhr Lieben, das Jahr ist noch frisch und doch fühle ich mich schon wie „verkatert“. Nicht nur, weil den Krümellord pünktlich zum ersten KiTa-Tag nach den Ferien eine fiese Bronchitis niedergestreckt hat, seine Schwester ihm ins Krankenbett folgte, und wir nur dank meiner eilig angereisten Mama (DANKE!) die Work-Life-Family-Balance einigermaßen halten konnten … Viel mehr zu meinem Kater-Gefühl beigetragen hat aber der gestrige Tag. Inauguration Day. Der Tag, an dem Donald Trump als amerikanischer Präsident vereidigt wurde. Ein beklemmendes Gefühl beschleicht mich, wenn ich daran denke, dass dieser Mann – über dessen vergiftete Rhetorik ich hier schon ausführlich geschrieben habe – die nächsten vier Jahre an der Spitze der Vereinigten Staaten stehen wird. Aber ich mag heute nicht nur meinem Entsetzen und meinen Ängsten Ausdruck verleihen. 

Denn: Ja, ich ängstige mich. Und ja, ich mag mir kaum vorstellen, was von Trump zu erwarten ist. Aber auch: Ja, ich möchte jetzt den Blick auf das richten, was jeder Einzelne von uns tun kann. Es ist an uns, die Donald Trumps dieser Gesellschaft zu entlarven. Es ist an uns, nicht zu schweigen, wenn abwertend über Flüchtlinge, religöse Minderheiten, Schwule, Lesben, Frauen oder Andersdenkende gesprochen wird. Es ist an uns, zuzuhören, offen zu bleiben, das Gespräch zu suchen und immer wieder: uns zu informieren. Fünf Dinge, die mir gerade Mut machen.

Der Farewell Letter von Barack Obama, auf den mich einmal wieder meine liebe Freundin Rieke aufmerksam gemacht hat. Darin erklärt Obama noch einmal sein Verständnis von Demokratie, von gesellschaftlicher Weiterentwicklung und ermutigt seine Landsleute, auf ihre eigene Stärke zu vertrauen:
„And when the arc of progress seems slow, remember: America is not the project of any one person. The single most powerful word in our democracy is the word ‚We.‘ ‚We the People.‘ ‚We shall overcome.‘ Yes, we can.“
Unter anderem hier könnt ihr den vollständigen Text von Obamas Abschiedsbrief nachlesen.

Lara Fritzsches Beitrag „Kulturschock“ im gestrigen Magazin der Süddeutschen Zeitung (20. Januar). Darin beschreibt die Autorin, warum sie beschlossen hat, fremdenfeindliche Bemerkungen im Alltag – womöglich im engsten Umfeld – nicht mehr zu ignorieren. Und welche (persönlichen) Hürden sie überwinden musste, um überhaupt in echte Diskussionen einzusteigen.

Die Initiative DEMO – Bewegung für Demokratie von Mareike Nieberding. Nach dem Wahlsieg von Donald Trump im vergangenen November gründete die Journalistin „eine Jugendbewegung“ auf Facebook, um einen gesellschaftlichen Dialog anzuregen. Warum? „Wie die meisten Menschen in meiner Filterblase, in meinen Medien, in meiner Welt bin ich geschockt, verängstigt, in Panik, ich fühle mich ohnmächtig. Als Mensch, als Frau, als Journalistin. Deshalb will ich nicht so weitermachen wie bisher. Ich will nächstes Jahr, wenn Deutschland wieder die Wahl hat, alles dafür tun, dass uns nicht dasselbe passiert wie den Briten, den Polen, den Ungarn, den Türken, den Amerikanern.“

„The Making of Donald Trump“ (im Deutschen: „Die Akte Trump“) von Pulitzerpreisträger David Cay Johnston. Seit 30 Jahren hat der Investigativjournalist  Johnston (u. a. The New York Times) die Wege des 45. US-Präsidenten verfolgt und die Ergebnisse in „The Making of Donald Trump“ zusammengefasst. Wer Trumps Werdegang verstehen möchte, wer begreifen möchte, wie Trump tickt, findet Antworten in diesem Buch. „Know your enemies“, sagt man im Englischen. Genau das dürfte die wohl wichtigste Motivation für Johnston beim Schreiben  gewesen sein. Gut zu wissen, dass jemand so genau beobachtet.

Ein Schulplakat für Zweitklässler, das der fabelhafte John Kinnear vom US-Papablog Ask Your Dad gestern auf seiner Facebook-Seite gezeigt hat. Es erklärt den Inauguration Day so simpel wie smart:
„[…] Today is inauguration day. This means that, starting today, we will have a new president. His name is Donald Trump and he will live at the White House. However, what happens at your house, is very important, too. You can make the world a better place by starting at your house. These are some things that you can do […]:
* Love yourself
* Celebrate the differences in others
* Believe in yourself […]

In diesem Sinne – macht es wie die Zweitklässler: Glaubt an euch, und lasst euch bloss nicht entmutigen!

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