Die Große und der KleineGerade erst konnten wir zuckersüße Fotos von Schwedens Mini-Prinzessin Estelle und ihrem Bruder Oscar bewundern. Und tatsächlich: Auf Bildern – wie auch dem Titelfoto zu diesem Blogeintrag – sieht es immer rührend und bedeutungsvoll aus: Große Schwester und kleiner Bruder Hand in Hand. Zwei, die sich anstrahlen, versunken sind ins gemeinsame Spiel. Große Schwester, kleiner Bruder – eine Traumkombi? Nun, bei weitem nicht immer. Vor zwei Jahren habe ich hier schon einmal über die Krümellady und den Krümellord geschrieben. Inzwischen hat sich viel getan im Leben der Großen und des Kleinen. Die beiden nehmen sich viel bewusster wahr. Interagieren viel, viel stärker als noch vor ein paar Monaten. Das führt zu vielen schönen und innigen Geschwistermomenten. Andererseits aber auch zu deutlich mehr Stress und zum Teil – im Wortsinne – handfesten Auseinandersetzung. Die Große und der Kleine. Ein Update. 

Gerade erst sind Krümellord und Krümellady dabei, sich so richtig zu entdecken, zarte Bande zum stabilen Tau einer lebenslangen Geschwisterbeziehung zu winden. Mit allen ihren Höhen und auch Tiefen. Denn nicht nur körperlich – in so schönen Disziplinen wie Laufen, Springen, Kreischen – sondern auch emotional und sprachlich schließt der Kleine zur Großen auf. Und dringt in ihr gewohntes Terrain ein, was naturgemäß zu Konflikten führt. Schubsen, Kneifen, Hauen, Beißen. Und dann, wenn das Gegenüber schon lauthals brüllt, ein kleinlautes „Tut mir leid!“. Oder ein rechtfertigendes: „Aber er hat doch angefangen …“

„Tschuldidung!“ – Vom zivilisierten Streiten.

Häufigster Grund für Konflikte bei uns daheim sind Situationen, in denen ein Krümel dem anderen etwas wegnimmt. Wobei die clevere Krümellady ihr Verhalten gerne auch mal mit pseudo-pädagogischen Argumenten rechtfertigt – à la: „Ich wollte dem Krümellord doch nur zeigen, wie das geht!“ Eine Argumentationslinie, für die der Lord weder Ohren noch Verständnis hat. Er will den Kreisel / das Rutschauto / den (bitte beliebiges Spielzeug einsetzen) sofort zurück!!! Notfalls untermalt er seine Forderungen mit einem schmerzhaften Biss in die Hand der Krümellady. Deren Revanche natürlich nicht lange auf sich warten lässt. Die Große und der Kleine – Fortsetzung folgt …

Tatsächlich machen die beiden aber auch Fortschritte auf dem Gebiet des zivilisierten Streitens. Denn der Krümellord hat inzwischen gelernt, dass eine herzliche Umarmung zusammen mit einem zerknirscht genuschelten „Tschuldidung!“ viel zum Familienfrieden beitragen kann. Und nutzt diese Art der Wiedergutmachung regelmäßig, um Konflikte zu entschärfen.

Geschwistergespräche: Zwei, die sich was zu sagen haben.

Überhaupt ist die Kommunikation zwischen beiden Kindern intensiver geworden. Vor allem, seit der Krümellord immer genauer hinhört. Und wie ein kleines Echo alle möglichen und unmöglichen Äußerungen seiner Schwester nachplappert. Gerade das Improvisierte macht die Sprache des Krümellords so sympathisch. Und seine halb gesungene, halb geschrieene Version des Gute-Nacht-Klassikers „La-Le-Lu“ ist einfach herzzerreißend niedlich. Sprachlich hat der Kleine enorm davon profitiert, dass die Große beinahe unablässig und wortgewandt plappert.

Selbst in ihren Betten setzen die beiden, die bislang noch ein gemeinsames Zimmer bewohnen, ihre Unterhaltung fort. Halten sich gegenseitig wach mit Geräuschen, Wortschnipseln, Trommeln, Plappern. Manchmal dauert es scheinbar ewig, bis die beiden in den Schlaf finden. Aber unterbrechen mag ich ihren Dialog auch nicht – zumindest nicht, solange es kein Geschrei gibt, die Große und der Kleine brav unter ihren Decken bleiben. „Mama, der Krümellord darf in meinem Bett schlafen, wenn er will“, sagt häufig die kuschelbedürftige Krümellady. Denn ihr kleiner Bruder liebt ihr Kojen-artiges Bett und zerwühlt nur zu gerne ihre vorsichtig arrangierten Kissen.

„Alles dut!“ – Die Große und der Kleine in Bestform.

Dass Krümellord und Krümellady eine große Emphatie verbindet, zeigt sich auch immer dann, wenn einer von beiden traurig ist. Hat sich der Krümellord auf die Nase gelegt oder ist irgendwo angestoßen – seine Schwester zögert keine Sekunde, um zur Hilfe zu eilen und ihren Bruder tröstend in den Arm zu nehmen. Der weinende Kleine weckt umgehend den Beschützerinstinkt der Großen. Aber auch umgekehrt ist der Krümellord zur Stelle sobald bei der großen Schwester die Tränen fließen. Wenn der Krümellord der Krümellady unbeholfen den Kopf tätschelt und dazu beschwichtigend: „Alles dut“, murmelt – das ist besser als jede Extraportion Zucker in meinem Morgenkaffee 😉 Und macht alle vorangegangenen Geschwisterstreits (beinah) vergessen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.