Sommer in FinnlandMit Kopf und Herz noch in Finnland, mit den Füßen schon wieder auf deutschem Boden: So oder so ähnlich könnte man die Situation von Yvonne und ihrer Familie gerade zusammenfassen. Schon ein paar Mal hat Yvonne uns hier auf dem Blog an ihrem Leben als Expats in Finnland teilhaben lassen. Jetzt standen tatsächlich die Container für die Rückkehr nach Deutschland vor der Türe – und die Familie ist dabei, in ihrer neuen alten Heimat wieder Fuß zu fassen. Bevor es mega-trubelig wurde, hat Yvonne aber noch schnell ihren Sommer in Finnland Revue passieren lassen und ein paar Empfehlungen für euch zusammengestellt. Habt viel Spaß beim Lesen!

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Von den vielen Freizeitmöglichkeiten in Finnland habe ich schon in meinem letzten Beitrag vom finnischen Winter geschwärmt. Aber auch in der warmen Jahreszeit gibt es tolle Outdoor-Aktivitäten mit Kindern. Fangen wir bei den Spielplätzen an: Es gibt sie überall und an jeder Ecke. Sie sind meist größer als in Deutschland und unheimlich gut gepflegt. Außerdem dürfen die Finnen alle Spielplätze von öffentlichen Kindergärten nutzen, wenn diese geschlossen sind, also an Wochenenden und Feiertagen. Das erweitert die Auswahl natürlich stark.

Spielplatz deluxe

In jedem Ort oder Stadtteil gibt es einen „offiziellen“ öffentlichen Spielplatz, der auch einen Indoor-Bereich zu bieten hat. Das ist in Finnland aufgrund des unbeständigen Wetters auch wirklich notwendig. Dieser Spielplatz ist tagsüber mit Mitarbeitern von der Stadt besetzt, die sich darum kümmern, dass zum Beispiel immer Spielzeug vorhanden ist. Die finnischen Eltern müssen also kein Sandspielzeug mitbringen und es gibt Roller, Dreiräder, Bälle und vieles Mehr zum Spielen. Alles kann genutzt werden, keiner nimmt etwas mit, das funktioniert prima.

Zu jedem dieser Spielplätze gibt es auch einen Innenbereich: Er ist ausgestattet mit einer Toilette, Wickelmöglichkeiten und einer Küche, in der man sich Wasser holen kann – hier trinken fast alle nur Leitungswasser. Die Mamas und Papas dürfen sich gegen einen kleinen Unkostenbeitrag auch einen Kaffee machen. Der Indoor-Spielbereich wird vor allem bei schlechtem Wetter genutzt. Man kann die Räumlichkeiten aber auch mieten, um etwa Geburtstagsfeiern dort zu veranstalten.

Naturparks und Grillbegeisterung

Als Expats in FinnlandNeben den Spielplätzen sind uns auch die vielen öffentlichen Grillstellen positiv aufgefallen. Auch diese werden von der jeweiligen Stadt unterhalten und befinden sich in den Naturparks (z.B. Nuuksio oder Porkkala). Man kann also mit den Kindern wandern oder spazieren gehen und findet immer einen Grillplatz mit Unterstand, Sitzmöglichkeiten, Plumpsklos und vor allem Holz zum Grillen, das ebenfalls die Stadt bereitstellt. Diese Parks sind sehr beliebt bei Familien, denn gerade mit Kindern ist es wichtig, ein Ziel – sprich: das gemeinsame Würstchen Grillen – vor Augen zu haben.

In Deutschland gibt es meistens bewirtschaftete Hütten, in denen man für teures Geld essen kann. Das ist grundsätzlich nicht falsch und ich finde es auch toll, einen Kaiserschmarrn zu essen oder ein Bier mit Blick auf die Berge zu trinken. In Finnland muss man zwar alles selbst mitbringen – aber dafür spart man Geld, hat ein richtiges Outdoor-Erlebnis und die Grillstellen sind nicht so überlaufen. Ganz oft konnten wir beobachten, dass die Finnen Pfannkuchenteig und eine kleine Pfanne mitbringen und sich dann süße Omelettes über dem offenen Feuer backen.

Per App zum Schatz

Sehr verbreitet in den Nationalparks ist auch Geocaching. Das ist eine Schatzsuche per Smartphone-App. Geocaching gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt – selbst in Städten. Per Smartphone-App lassen sich geeignete und kindgerechte (!) Caches in Eurer Umgebung lokalisieren. Eine schöne Motivation für abenteuerlustige Kinder. Die Cashes selbst sind geheime Lager, meist kleine Dosen oder Kisten, in denen man ein kleines Geschenk eintauschen und sich in ein Logbuch eintragen kann. Für Kinder ab dem Vorschulalter ist es der Hit, mit dem Handy einen Schatz zu suchen. Wir werden die Schatzsuche definitiv auch nach Deutschland mitnehmen.

Inselglück auf der Ostsee

Neben solchen Innland-Aktivitäten stehen gerade im Sommer in Finnland Ausflüge an die Ostsee hoch im Kurs. Die Küste Finnlands ist sehr zerklüftet und es gibt tausende von vorgelagerten Inseln – kleine Ruhe-Oasen außerhalb der Stadt. In den Sommerferien fahren sogenannte Bootbusse einige der Inseln an. Vor Ort findet man in der Regel Grillplätze, Spielplätze, einen Badestrand und meistens auch ein kleines Restaurant oder Café. Außerdem gibt es auf den Inseln besonders viele Beeren zum Selbstpflücken – ebenfalls eine schöne, kindgerechte Sommeraktivität. Für den Nachwuchs ist meist die Fahrt mit dem Boot schon ein kleines Event. Je nachdem, auf welcher Insel man sich befindet, kann man riesige Kreuzfahrtschiffe oder Fähren relativ nah vorbeifahren sehen. Auch mit etwas weniger Zeit sind wir nach dem Kindergarten häufig nochmal von Helsinki aus an den Strand gefahren. Schließlich ist das Strandfeeling für uns „Kontinentaleuropäer“ immer wieder etwas Besonderes.

Sommer in Finnland
Taghell in der Nacht: Mittsommer in Finnland.

Natürlich muss bei allen Outdoor-Aktivitäten das Wetter mitspielen und das ist leider auch im Sommer in Finnland nicht wirklich beständig. Hier wird es ganz selten mal so richtig warm, sprich: Das Thermometer klettert häufig kaum über die 25 Grad Celsius. Aber man gewöhnt sich an alles, inzwischen bin ich geübt darin, für alle Wettersituationen vorzusorgen. Und raus an die frische Luft geht es bei jedem Wetter.

Sommer in Finnland – zehn Wochen Ferien

Eine echte Herausforderung für finnische Eltern sind übrigens die zehnwöchigen Sommerferien: Die Schulferien beginnen immer in der ersten Juni-Woche und enden in der zweiten August-Woche. Auch die öffentlichen Kindergärten haben in der Regel den kompletten Juli geschlossen, manche sogar schon eine Woche vorher, ab Mittsommer. Die Stadt bietet immer eine gewisse Anzahl an „Notplätzen“ zur Betreuung für Kindergartenkinder an – falls Eltern begründet keinen Urlaub nehmen können. Für Schulkinder gibt es diverse Feriencamps und häufig springen auch die Großeltern ein. Aber im Endeffekt haben mir schon viele finnische Familien erzählt, dass die Eltern getrennt Urlaub nehmen müssen, um die lange Ferienzeit zu überbrücken. Anders ist das leider nicht möglich. Zusätzlich zur langen Sommerpause habe die finnischen Kinder aber trotzdem noch Herbst-, Weihnachts- und Winterferien (im Februar/März).

Kurztrip an Finnlands Westküste

Als Expats in FinnlandFür Ausflüge an den Wochenenden oder einen Kurztrip über mehrere Tage bieten sich die Regionen um Turku und dann weiter die Westküste nordwärts in Richtung Pori an – speziell im Sommer in Finnland. Die Innenstadt von Turku ist sehenswert. Mit Kindern kann man gut die alte Burg direkt am Meer besichtigen. Die Führungen sind sehr kindgerecht gestaltet. Auch eine Fahrt mit dem Schiff durch die Schären vor Turku kann ich sehr empfehlen. Alternativ kann man Turku auch mit dem Rad erkunden – dafür gibt es extra angelegte Touren, leichtere mit Kindern oder auch anspruchsvollere Touren. Zirka 20 Minuten von Turku entfernt liegt Naantali, eine kleine Stadt, die Ausgangspunkt für einen Ausflug ins Muuminworld ist. Die Muumins sind niedliche, nilpferdartige Trollwesen. In Finnland kennt die Muumins – aus der Feder der finnischen Schriftstellerin Tove Jansson – jedes Kind. Für Kinder bis etwa sechs oder sieben Jahre ist der Themenpark ein tolles Erlebnis.

Wenn man weiter nordwärts an der Küste entlangfährt, sollte man in Rauma anhalten, sich die Füße in der historischen Altstadt vertreten oder die Kinder dort zu einem Eis motivieren. In Rauma stehen zirka 600 historische Holzhäuser – sie zählen heute zum UNESCO-Welterbe.

Noch etwas nördlicher befindet sich Pori, eine nette kleine Stadt. Vor allem lohnt sich dort ein mehrtägiger Aufenthalt auf der Halbinsel Yyteri. Sie soll den schönsten und längsten Sandstrand Finnlands besitzen. Auf einem Campingplatz vor Ort lassen sich einfache Ferienhütten aus Holz, die sogenannten „Mökkis“, mieten. Diese kleine Route war übrigens Teil unseres letzten Urlaubs – alle genannten Ziele für den Sommer in Finnland kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Hei Hei Suomi!

Unser Abenteuer in Finnland ist nun vorbei – und wir freuen uns riesig, unsere Freunde und Familien in Deutschland wiederzusehen. Aber es ist auch ein Abschied von lieben Bekannten und Freunden in Finnland. Die zwei Jahre als Expats waren eine riesige Bereicherung für unsere Familie und wir werden sie immer in wunderbarer Erinnerung behalten!

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Liebe Yvonne, wir wünschen dir und deinen Lieben ein gutes Ankommen in Deutschland und freuen uns schon, euch bald live und in Farbe wiederzusehen!

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