Muttertag

Morgen ist Muttertag, ihr Lieben. Und natürlich liebe ich es, tolle Blumen zu bekommen. Oder ein schönes Bild. Einen feuchten, Nutella-verschmierten Schmatzer. Besonders liebe ich aber auch den Austausch zum Thema Muttersein – mit allem, was so dazu gehört: Mutter werden. Alltägliche Mütter-Freuden und –Fiaskos. Söhne und Töchter. Aus den vielen, spannenden Ressourcen in der Mama-Welt – online wie offline – habe ich diese drei schnellen Inspirationen zum Muttertag für euch ausgewählt.

A Killer Story.

Einen so herrlich ambivalenten Titel hat die 159. Episode des The Longest Shortest Time-Podcasts. Host Andrea Silenzi spricht darin mit Autorin und Dichterin Rachel Zucker (unter anderem „MOTHERs“) über ihre äußerst komplexe und auch komplizierte Verbindung mit ihrer Mutter, Diane Wolkstein. Wolkstein war eine Meisterin der oralen Erzähltradition. Sie hatte nicht nur lange Jahre eine eigene Radioshow, sondern wurde 1967 zur offiziellen Storytellerin von New York City ernannt. Auf unzähligen Reisen tauchte Wolkstein ein in die Narrative der chinesischen, persischen und haitianischen Welt. Nur die Beziehung mit ihrer Tochter Rachel war lebenslang eine ambivalente. „Think of Grimm’s Fairy tales, before they get polished up by Disney“ – schreiben Andrea Silenzi und Hillary Frank auf longeststhortesttime.com so treffend. Warum die Verbindung von Rachel Zucker und Diane Wolkstein eine Geschichte ohne Happy End ist, könnt ihr hier nachhören.

Beloved.

Während meines Amerikanistik-Studiums (zweites Hauptfach) standen die Romane von Toni Morrison ganz oben auf meiner Leseliste. Und auch heute lese ich die Autorin und Nobelpreisträgerin noch sehr, sehr gerne. Im Zentrum von Morrisons Werken steht häufig die Frage, wie sich die Sklaverei in den USA nachhaltig-traumatisch auf die Afro-Amerikanische community ausgewirkt hat. Ein zweites, dominantes Thema sind die Verbindungen zwischen Großmüttern, Mütter und Töchtern. Dem, was sie von- und miteinander lernen können – und dem, was sie unüberbrückbar trennt. Einer meiner Lieblingsromane von Morrison ist „Beloved“: Darin erzählt Morrison die Geschichte der ehemaligen Sklavin Sethe, die mit ihrer Tochter Denver ein zurückgezogenes Leben außerhalb der Afro-Amerikanischen community führt. Ihr Haus wird regelmäßig von einem aggressiven, fordernden Geist heimgesucht – sie glauben, er gehöre zu Sethes ältester Tochter, die auf der Flucht vor der Sklaverei auf tragische Weise ums Leben kam. Lediglich ein Grabstein mit der Inschrift „Beloved“ erinnert an die kurze Existenz des Mädchens. Eines Tages taucht eine merkwürdige, junge Frau auf dem Anwesen von Sethe und Denver auf. Sie nennt sich „Beloved“ … Absolut lesenswert – und nicht umsonst 1988 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet.

Sei Dir gut.

Der Titel von Natalia Fistéras wunderbarem Blog und Website ist auch ihr Wunsch an und für uns Mütter und Frauen: „Sei dir gut – diese Worte sind zu meinem Lebensmotto geworden. Und ich wünsche dir von Herzen, dass sie auch zu deinem werden“, schreibt Natalia. Wie man den Schatz dieses Satzes für sich heben kann, wie schwer und auch manchmal leicht der Weg dorthin ist – das vermittelt Natalia nicht nur im Offline-Leben als systemische Beraterin und Coach. In ihrem Blog reflektiert die Essenerin auch über ihren eigenen Weg, immer einfühlsam, sehr persönlich, berührend, ohne Netz und doppelten Boden. Einer guter Einstieg in Natalias Blog ist ihre Begründung, warum sie online schreibt.

Und jetzt: Genießt die Blumen, Küsschen und kleinen Geschenke und lasst euch inspirieren – am Muttertag und darüber hinaus!