GedankenkreiselRund vier Wochen nach der Geburt des Krümellords war es soweit: Ich wollte endlich einmal wieder in Ruhe zum Haareschneiden gehen. Mit allem Drum und Dran, versteht sich: Duftshampoo, Kopfmassage und einem Stapel voller Klatschzeitschriften zum Bildergucken. Zwei Stunden Auszeit. Nur für mich. Der Krümelmann übernahm das Kommando zu Hause, einen friedlich schlummernden Krümellord und eine energiegeladene Fast-Dreijährige. Ich positionierte mein Mobiltelefon unterdessen vor der Spiegelfront beim Friseur, prüfte noch einmal den Empfang, schlug die Bunte auf und wartete gespannt, wie der Krümelmann sich schlagen würde. Das erste Mal allein mit beiden Kindern.

Auf alles vorbereitet

Würde der kleine Krümel aufwachen und nach seiner Milch verlangen? Für alle Fälle hatte ich dem Mann eine Flasche Pulvermilch vor-abgefüllt, das „für die Zubereitung von Babynahrung“ geeignete Trinkwasser rausgestellt und die Dosierungsanleitung gut lesbar daneben gelegt. Würde die Krümellady auf den obligatorischen Spielplatzbesuch bestehen? Kein Problem! Denn ich hatte eine Tasche mit Snacks, Feuchttüchern, Ersatzkleidung und Wickelutensilien gepackt, mit der meine Lieben notfalls auch eine dreitägige Hüttentour überlebt hätten. Und schließlich: Was, wenn der Lord aufwachte, schrie und so die Aufmerksamkeit seines Papas auf sich zöge, während die Lady durch eine Verkettung unglücklicher Umstände von der Spielplatz-Schaukel stürzte? Ich war auf alles vorbereitet. Notfalls wäre ich mit nassem Kopf und nur einseitig gekürztem Haar ins Auto gesprungen und nach Hause gerast.

Die Zeit verging, mein Telefon schwieg und langsam rückten andere drängende Fragen in den Vordergrund: War die Ehe von George Clooney und Amal Alamuddin noch zu retten? Wie würde Mini-Prinz George auf sein Geschwisterchen reagieren? Und welches hautenge Klopper-Kleid hatte Kim Kardashin nun wieder zur Show getragen? Ich vergaß die Zeit. Ich vergaß meine Lieben. Nur noch Hollywood und ich. Und die angenehm warme Föhnluft in meinem Nacken.

Gedanken, die Pirouetten drehen

Auf der Rückfahrt im Auto dann das schlechte Gewissen. Immer noch kein Anruf vom Mann! Der Arme, sicherlich kam er vor lauter Stress gar nicht dazu, sich zu melden. Oder konnte das etwa bedeuten, dass meine Lieben – von allen Mobilfunknetzen abgeschnitten – auf meine Rettung warteten? „So ein Quatsch!“, lachte der Mann. „Wir sitzen hier in der Sonne in der Eisdiele. Der Krümellord schläft noch immer. Und unsere Tochter spielt mit dem Mädchen von meinem Kumpel.“

Sonne? Eisdiele? Seelig schlummerndes Baby? Spielendes Kleinkind? Alles gut! Mein Gedanken hatte umsonst gekreist, die wildesten Pirouetten gedreht, kamen endlich zur Ruhe. Die Wahrheit sah tatsächlich so aus: Ich war erholt und frisch frisiert, mein Mann entspannt, die Krümellady müdegespielt und der Krümellord ausgeschlafen. Und das Fazit: Mehr Papa-Kinder-Ausflüge! Mehr von solchen Vormittagen!