MädelsabendSchon dieses Kribbeln im Bauch, wenn ich den Kleiderschrank öffne. Und mal nicht auf der Suche nach den bequemen Sneakers für den Kinderspielplatz bin. Sondern die feinen Schuhe anziehe, auf den hohen Stelzen. Kein lautloses Schleichen auf Gummisohlen. Sondern ein verheißungsvolles Klappern, das den Abend einläutet. Das Seiden-T-Shirt ist tagsüber zu schade für Babykotze. Aber jetzt bekommt es Ausgang. Heute ist schließlich Mädelsabend.

Im Bad seit Tagen mal wieder richtig in den Spiegel geschaut. Und mehr als nur Augenränder abgedeckt und Kinderkekskrümel von den Lippen geleckt. Ach ja, die Lippen. Ein bisschen Farbe wäre nicht schlecht. Ein bisschen Glanz und Gloss aus der Vor-Kinder-Zeit. Fast schon ein Relikt dieser Lippen-Mal-Stift. Haare gezupft. Wimpern getuscht. Duft versprüht. Vorfreude zelebriert. Mund gelächelt.

In der Garderobe dann die Qual der Wahl: Welches Täschchen mag mich begleiten? Klein darf es sein. Ein klitzekleines Glück. Klitzeklein, zum Glück! Ich fühle mich leicht. Ohne Windeltasche. Feuchttücher. Oder Ersatzschnuller. Portemonnaie. Telefon. Und Schlüsselbund. Dürfen mich begleiten. Und noch ein bisschen von diesem glossigen Lippenstift. Türe zu, Auto an, los geht’s!

Stimmengewirr im Restaurant. Kerzen auf den Tischen. – Wann habe ich eigentlich das letzte Mal eine echte Kerze angezündet? – Hier die Mädels. Vertraute Gesichter. Dort ihre Gläser. Hohe Gläser. Mit langen Stielen. Ein bisschen wie bei den Schuhen. Alles wächst in die Höhe. Sich strecken, recken, entfalten. Sprechen. Gute Gespräche. Manchmal über Kinder. Oft auch über Männer. Männer, die wir haben. Oder gerne hätten. Oder auch: Wie wir unsere Männer gerne hätten. Und unser Leben. Kichern. Lachen. Genießen. Ein Gefühl wie zu Teenie-Zeiten. Endlich Ausgang! Endlich Mädelsabend! Ach, du kommst viel zu selten …