Wochenende ohne KinderJaaa, ihr habt Recht: Es ist verdächtig ruhig hier auf dem Blog. Im Mama-Alltag ja üblicherweise ein Warnzeichen, das auf Kinderkrankheiten oder andere Katastrophen hinter den Kulissen hindeutet. Nicht so dieses Mal. Nein, diesmal habt ihr es mit einer genießerischen Ruhe zu tun, denn: Mein Mann und ich hatten unser erstes Wochenende zu Zweit. Seit gefühlt mehreren Jahrhunderten, mindestens aber seit der Geburt des Krümellords. Vier Tage, drei Nächte ohne Kinder. In Barcelona. Wie das gewesen ist? Muy bien!

Denn mal ehrlich: Wann seid ihr zuletzt von alleine aufgewacht? Ohne, dass eine kleine Kinderhand euch angestupst, ein Babybrüller euch aus dem Schlaf gerissen oder ein viel zu früh gestellter Wecker geschellt hätte? Wann habt ihr zuletzt eine mehrgängige Mahlzeit störungsfrei verspeist? Ich meine, ohne dabei gleichzeitig das Baby zu füttern, der Großen das Fleisch klein zu schneiden, Wassergläser nachzufüllen, verschmierte Münder abzuputzen, Karottenbrei vom Teppich zu kratzen, aufs Klo zu begleiten ….

Wochenende ohne Kinder
Für Speisen, aber vor allem für Getränke: Das El Nacional bietet vier coole Restaurants unter einem Dach.

Wann seid ihr zuletzt auf Reisen gegangen, ohne eine seitenlange Packliste abzuarbeiten: Babyfläschen, Schnuller, Milchpulver, Windeln, noch mehr Windeln, Wechselwäsche, Lätzchen, Lieblingspuppe … Wann habt ihr zuletzt am Flughafen gestanden und euch nicht mit der Großen die Nase an der Scheibe zum Rollfeld plattgedrückt? Oder wahlweise den Kleinen davon abgehalten, zwischen den Stühlen und den Füßen der Mitreisenden Slalom zu robben?

 

Wochenende ohne Kinder
Für jeden Wochentag (mindestens) ein Paar: Im Ballerina Heaven.

Ich hatte schon ganz vergessen, wie sich das anfühlt: Morgens noch einmal im Bett umdrehen, obwohl es draußen schon taghell ist. Duschen, ohne befürchten zu müssen, dass in der Zwischenzeit eine mehrere dutzend Viecher starke Armee aus Schleichtieren vor dem Badezimmer Aufstellung nimmt. Im Frühstücksraum den Cappuccino zum Tisch bringen lassen. Und das Rührei gleich mit. Schuhe anziehen, die toll aussehen. Und furchtbar unpraktisch sind. Kleider tragen, die keine einzige Bewährungsprobe im Kinderalltag überstehen würden. Händchen halten mit dem Partner. Weil man tatsächlich mal wieder eine Hand – nein, sogar beide Hände! – frei hat.

Wochenende ohne Kinder
Die Basilika Santa Maria del Mar liegt mitten im Barri Gotic, einem meiner Lieblings-Viertel von Barcelona.

Durch Barcelonas vollgepackte Altstadtgässchen flanieren. Ohne dabei Sorge zu haben, wie Buggy und Baby da durch passen. In Geschäfte gehen, ohne etwas zu brauchen. Einfach nur, um zu schauen. Sich inspirieren zu lassen. Die Atmosphäre aufzusaugen. Tapas-Essen. Pan con tomate y jamon. Patatas bravas. Pimientos de Padrón. Und sich nochmal den Teller vollmachen. Einfach so. Weil man Appetit hat. Und Zeit.

Und nach dem Abendessen noch auf nen Absacker auf einer Dachterrasse vorbeischauen. Ohne schlechtes Gewissen. Und ohne den Gedanken: „Morgen früh musst du wieder fit sein!“ Nicht wissen, was man zuerst lesen soll: Das Lieblings-Magazin der ZEIT. Den Stadtführer Barcelona. Oder den fesselnden Roman (Sehr empfehlenswert: „Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen.“ von Jennifer Teege und Nikola Sellmair).

Wochenende ohne Kinder
Ach ja, die Dachterasse … Mit Blick auf den Hafen von Barcelona.

Natürlich gibt es auch Momente des Vermissens: Wenn das Paar am Nachbartisch mit seinem Baby schmust. Dann denke ich daran, was wohl der Krümellord gerade macht. Und wem er sein strahlendes Lächeln schenkt. Ein Lächeln, bei dem man die zwei Säbelzähnchen im Unterkiefer besonders gut erkennen kann. Wenn die Krümellady am Telefon nicht aufhören kann, zu plaudern: „Aber Mama, ich muss dir noch was sagen …“ Und ich merke: „Mist, jetzt vermisst sie mich doch!“ Ich will nicht auflegen. Sie auch nicht. Aber irgendwann ist es doch soweit. Ich bin in Barcelona. Sie in den bayerischen Voralpen. Schöner als der erste kinderfreie Espresso ist dann nur das nach Hause kommen. Und das Wiedersehen.

Wochenende ohne Kinder
Tapas kann man nie genug essen. Hier in der baskischen Variante als Pintxos.

Trotzdem bleibe ich dabei: Zeit für sich (und für den Partner) zu haben ist Luxus. Zeit zu haben und dabei auf Reisen zu gehen gleich doppelt. Die schönste Form von Luxus ist es, wenn man weiß, dass die Kids die elternfreie Zeit ebenso genießen. Weil Super-Omi und Super-Opi am Start sind. Mit ihrem 24-Stunden-Bespaßungs-Bekuschlungs-Verwöhn-Programm. Einer Extra-Portion Liebe. Und einem großen Nachschlag an Geduld. Einfach unbezahlbar! Der pure Luxus eben. So ein Wochenende ohne Kinder. In Barcelona.